Die Eulalia-Post im September 2026:
Eulalia-Post 01-09-2026
Liebe Büchermenschen,
die Frankfurter Buchmesse steht vor der Tür – ich freu‘ mich! Nicht nur auf die Verlagsbesuche (ich hab‘ immer eine kleine Liste von Verlagen, die ich toll finde, bei denen mich aber kein:e Vertreter:in besucht) und das Entdecken von Titeln, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Sondern auch auf das Treffen mit den Lieblingskolleg:innen, die Verleihung des Gütesiegels Buch-Kita und die des Jugendliteraturpreises, des Buchpreises und das Lieblingsbuch der Unabhängigen. Außerdem habe ich eine persönliche Einladung zu einer Veranstaltung mit Jörg Mühle beim Moritz Verlag – das wird sicher ganz besonders!
Sehr gespannt bin ich auf die Präsentation des Buchmesse-Gastlands Tschechien! Die letzten Wochen habe ich mich recht intensiv mit Literatur aus diesem Land befasst (Schaufenster und Buchbesprechungen folgen) und dabei festgestellt, dass die Historie dieses Landes oft in die Texte mit eingeflossen ist. Das ist auch deshalb spannend, weil sie ja teilweise mit deutscher Historie verschränkt ist. Aber ganz sicher ist die Literatur nicht nur wegen dieser Koppelung lesenswert! Vielmehr zieht sich (zumindest bei meinen Entdeckungen) ein erstaunlicher Humor durch die Bücher und ein hohes Bewusstsein für politische Verhältnisse. Wie das mit dem Messeauftritt korrespondiert, das werde ich mir vielleicht schon am Dienstagabend nach der offiziellen Messeeröffnung ansehen. (So ein Vorstandsposten birgt tatsächlich noch ganz andere Notwendigkeiten und Möglichkeiten, als man vorher auf dem Schirm hat.)
Ich werde wieder mit dem Zug nach Frankfurt fahren, der RE70 bringt mich relativ zuverlässig dorthin. Wünschen würde ich mir – ich fahre die Strecke ja immer mal -, dass es bessere Fahrradmitnahmemöglichkeiten gibt: Oft ist der Zug sehr voll und so traue ich mich schon gar nicht, die Fahrradmitnahme einzuplanen. Dabei wäre das, gerade für Museumsbesuche oder um Frankfurt mal anders zu entdecken, total schön.
Manchmal kann man Dinge mit „wünschen“ ja auch ein bisschen anschieben ... Was die Fahrradmitnahme angeht: Das war ein Punkt beim Fahrradklima-Test, den der ADfC gerade durchführt. Falls Sie in den nächsten Tagen Zeit haben, können Sie gerne auch teilnehmen: LINK
Gerade baue ich die Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit Grundschulen aus: Ab Mitte Oktober wird es vier Buchkisten geben, die sich die Lehrkräfte bei mir ausleihen dürfen. Angestoßen hat das eine Lehrerin, die im Januar gerne das Projekt „Kinderrechte“ umsetzen möchte und mich angefragt hat, ob ich mich beteiligen könnte. Ich muss auf solchen Anfragen immer ein bisschen herumknobeln …
Angefangen habe ich mit einem Streifzug durchs Sortiment. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich einen großen Stapel Bücher zu den verwandten Themenstellungen „Kinderrechte“ und „Demokratie“ – ich war ein bisschen verblüfft, dass es so viele sind (Herr Schwob nicht #kicher). Einige wenige Titel habe ich noch ergänzt, schöne Holzkisten mit Deckel bestellt und mir überlegt, dass ich neben den genannten Themen auch eine Box mit Büchern zu „Gefühle“ und eine zu „Abschied und Trauer“ fülle. (Auch da braucht es keine großen Bestellungen, für beide Themen ist reichlich in den Regalen!)
Die Buchkisten können nach Absprache für einen kurzen oder längen Zeitraum bei mir ausgeliehen werden. Die Kinder dürfen die Bücher ausgiebig benutzen und durchaus auch für nachhause ausleihen – dass sie ordentlich mit allem umgehen, davon gehe ich eigentlich aus. Falls Sie mögen: Sprechen Sie mich bitte an!
Die Bilderbuchempfehlung für den September passt durchaus auch in diese Kisten hinein – ich werde dieses Bilderbuch in die „Gefühle“-Kiste geben (Bilderbücher eignen sich durchaus auch für die Grundschule, der Inhalt der Kisten ist gut durchmischt für alle Lesetypen):
Kerstin Hau / Stella Dreis: OBACHT!
Eines Morgens ruft der Wimpf: „Obacht! Da liegt ein RIESIGES Tier vor unserer Stadt!“ Nach einigem Ach und Weh decken alle miteinander das Tier zu. Nur dem Mienchen gefällt das nicht. Nun warnt der Wimpf und „Obacht! Da liegt ein VERBORGENES Tier vor unserer Stadt!“ Das Tier ist so groß, dass sie gar nicht mehr gut raus- und reinkommen in ihre Stadt. Sie bauen eine Brücke, dann eine Straße – und immer bewegt sich das große Tier im Schlaf und zerstört ihre Bemühungen. Wie gut, dass es das Mienchen und seine guten Ideen gibt!
Wie geht man mit Neuem um? Besonders mit neuen Dingen, die Angst machen? Es ist sehr menschlich, wegzusehen. Die Bewohner der kleinen Stadt gehen noch ein bisschen weiter, sie decken „ihr“ Problem zu. Natürlich verschwindet es dadurch nicht, eigentlich gibt es jetzt noch mehr Probleme. Wie gut, dass es eine Stadtbewohnerin gibt, die sich gerne alles ganz genau anschaut – und die mutig nach Lösungen sucht.
Die Geschichte ist in ganz einfachen Sätzen erzählt, die sich oft auch wiederholen. Kerstin Hau setzt das ganz bewusst als Stilmittel ein, es betont, dass diese Geschichte eigentlich sehr alltäglich ist und macht es für Kinder noch ein bisschen nachvollziehbarer. Die Illustrationen von Stella Dreis hingegen sind alles andere als alltäglich, schon allein die Farbwahl – weiß, grau, schwarz und leuchtendes orange – hebt dieses Bilderbuch aus der Fülle der Bilderbücher heraus. Die Illustrationen sind wenig eingängig, aber wer genau hinsieht entdeckt viele Details. Der Gegensatz von Text und Bild macht das Buch noch ein bisschen interessanter, als es eh schon ist. Und falls man sich pädagogisch damit beschäftigen möchte: Der NordSüd Verlag bietet auf seiner Homepage das entsprechende Material an.
NordSüd Verlag, 978-3-314-10734-4, € 18,00
Eines Morgens ruft der Wimpf: „Obacht! Da liegt ein RIESIGES Tier vor unserer Stadt!“ Nach einigem Ach und Weh decken alle miteinander das Tier zu. Nur dem Mienchen gefällt das nicht. Nun warnt der Wimpf und „Obacht! Da liegt ein VERBORGENES Tier vor unserer Stadt!“ Das Tier ist so groß, dass sie gar nicht mehr gut raus- und reinkommen in ihre Stadt. Sie bauen eine Brücke, dann eine Straße – und immer bewegt sich das große Tier im Schlaf und zerstört ihre Bemühungen. Wie gut, dass es das Mienchen und seine guten Ideen gibt!
Wie geht man mit Neuem um? Besonders mit neuen Dingen, die Angst machen? Es ist sehr menschlich, wegzusehen. Die Bewohner der kleinen Stadt gehen noch ein bisschen weiter, sie decken „ihr“ Problem zu. Natürlich verschwindet es dadurch nicht, eigentlich gibt es jetzt noch mehr Probleme. Wie gut, dass es eine Stadtbewohnerin gibt, die sich gerne alles ganz genau anschaut – und die mutig nach Lösungen sucht.
Die Geschichte ist in ganz einfachen Sätzen erzählt, die sich oft auch wiederholen. Kerstin Hau setzt das ganz bewusst als Stilmittel ein, es betont, dass diese Geschichte eigentlich sehr alltäglich ist und macht es für Kinder noch ein bisschen nachvollziehbarer. Die Illustrationen von Stella Dreis hingegen sind alles andere als alltäglich, schon allein die Farbwahl – weiß, grau, schwarz und leuchtendes orange – hebt dieses Bilderbuch aus der Fülle der Bilderbücher heraus. Die Illustrationen sind wenig eingängig, aber wer genau hinsieht entdeckt viele Details. Der Gegensatz von Text und Bild macht das Buch noch ein bisschen interessanter, als es eh schon ist. Und falls man sich pädagogisch damit beschäftigen möchte: Der NordSüd Verlag bietet auf seiner Homepage das entsprechende Material an.
NordSüd Verlag, 978-3-314-10734-4, € 18,00
Lisa Quentin: Die Bernsteinfischerin
Ebba Bredow und Julika Lukas – zwei ganz unterschiedliche Frauen mit der gleichen Leidenschaft für Bernstein. Ebba kennt ihn ihr ganzes langes Leben, sie hat schon als Kind zusammen mit ihrem Vater am Strand von Wogoro Bernstein gesammelt. Einen besonderen Bernstein mit faszinierendem Einschluss hat sie nicht abgegeben, hat eine Bestrafung riskiert, denn Bernstein war in diesen Zeiten wichtig für die Kriegswirtschaft. Stattdessen hatte sie ihn bei Leo versteckt, der damals ihr liebster Kinderfreund war und später auch ihr Liebster wurde. Lange Zeit hat sie kein eigenes Leben geführt, sondern mit Leos Unterstützung die Wünsche der Eltern umgesetzt. Und trotzdem war es im Rückblick ein gutes Leben.
Julika hingegen hat ihr Leben noch vor sich. Ihre Leidenschaft gilt der Erforschung von Bernstein, und als sie Ebbas Bernstein untersucht, scheint die Inkluse alles auf den Kopf zu stellen, was sie bisher zu wissen glaubt. Ob die alte Dame ihr Näheres erzählen kann? Ein erstes Treffen ist für Julika ziemlich unangenehm. Dabei war es schwer genug, sich ein paar Tage Auszeit von zu Hause zu nehmen, und sie weiß auch nicht, was sie bei ihrer Rückkehr erwartet. Nur, dass sie diesem Bernstein auf den Grund gehen möchte, komme, was wolle, dessen ist sie sich sicher …
Das ist ein faszinierender Roman, in dem die Autorin Lisa Quentin nicht nur zwei Zeitebenen miteinander verwebt, sondern das auch noch mit viel Wissenswertem über Bernstein und wissenschaftliches Arbeiten spickt. Das ist dicht gepackt und könnte zu viel sein. Ist es aber nicht, denn Quentin gibt dem Ganzen einen Rhythmus, der uns Leser:innen richtig in Bann hält. Zudem sind die beiden Hauptfiguren Julika und Ebba interessante Charaktere, mit Ecken und Kanten und relevantem Privatleben. Das ist wirklich ein richtig gelungener und spannender Roman, nachdem man wieder ein bisschen klüger durch die Welt geht.
Ebba Bredow und Julika Lukas – zwei ganz unterschiedliche Frauen mit der gleichen Leidenschaft für Bernstein. Ebba kennt ihn ihr ganzes langes Leben, sie hat schon als Kind zusammen mit ihrem Vater am Strand von Wogoro Bernstein gesammelt. Einen besonderen Bernstein mit faszinierendem Einschluss hat sie nicht abgegeben, hat eine Bestrafung riskiert, denn Bernstein war in diesen Zeiten wichtig für die Kriegswirtschaft. Stattdessen hatte sie ihn bei Leo versteckt, der damals ihr liebster Kinderfreund war und später auch ihr Liebster wurde. Lange Zeit hat sie kein eigenes Leben geführt, sondern mit Leos Unterstützung die Wünsche der Eltern umgesetzt. Und trotzdem war es im Rückblick ein gutes Leben.
Julika hingegen hat ihr Leben noch vor sich. Ihre Leidenschaft gilt der Erforschung von Bernstein, und als sie Ebbas Bernstein untersucht, scheint die Inkluse alles auf den Kopf zu stellen, was sie bisher zu wissen glaubt. Ob die alte Dame ihr Näheres erzählen kann? Ein erstes Treffen ist für Julika ziemlich unangenehm. Dabei war es schwer genug, sich ein paar Tage Auszeit von zu Hause zu nehmen, und sie weiß auch nicht, was sie bei ihrer Rückkehr erwartet. Nur, dass sie diesem Bernstein auf den Grund gehen möchte, komme, was wolle, dessen ist sie sich sicher …
Das ist ein faszinierender Roman, in dem die Autorin Lisa Quentin nicht nur zwei Zeitebenen miteinander verwebt, sondern das auch noch mit viel Wissenswertem über Bernstein und wissenschaftliches Arbeiten spickt. Das ist dicht gepackt und könnte zu viel sein. Ist es aber nicht, denn Quentin gibt dem Ganzen einen Rhythmus, der uns Leser:innen richtig in Bann hält. Zudem sind die beiden Hauptfiguren Julika und Ebba interessante Charaktere, mit Ecken und Kanten und relevantem Privatleben. Das ist wirklich ein richtig gelungener und spannender Roman, nachdem man wieder ein bisschen klüger durch die Welt geht.
rütten & loening, 978-3-352-01027-9, € 22,00
Alle sieben Buchempfehlungen finden Sie wie immer auf unserer Homepage.
Erinnern möchte ich noch an die Lesung am Donnerstag, 1. Oktober um 19 Uhr im Gymnasium: Ira Peters stellt ihr Buch „Deutsch genug?“ vor. Nähere Informationen finden Sie im Anhang.
Und dann fehlt noch der Bilderbuchpfad, in dem meine Lieblingsgeschichte „Das Glück ist ein Punkt“ spazierenzusehen ist. Der Text ist nicht sehr lange, die Illustrationen haben dezente Farben, sie sind vielfältig und wunderbar passend zur Geschichte. Wir haben auch ein Schaufenster mit Titeln der Autorin Helga Bansch, Sie können gerne schauen, was sie sonst noch für schöne Bücher gemacht hat. Lieben Dank an die IG Bilderbuchpfad, den Verlag Jungbrunnen und die Autorin für Arbeit und Genehmigung!
Wir wünschen uns allen vor allem eines: Regen.
Lucia Bornhofen
mit dem Team der
Buchhandlung Bornhofen e. K.
Magdalenenstraße 55, 64579 Gernsheim
FON 06258 4242, FAX 06258 51777
HRA Darmstadt 53224
Magdalenenstraße 55, 64579 Gernsheim
FON 06258 4242, FAX 06258 51777
HRA Darmstadt 53224