Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - BUCHHANDLUNG 08 2019

Homesymbol

Öffnungszeiten: MO-FR 09:00 - 12:30 | 14:00 - 18:30 | SA 09:00 - 13:00 | FON 06258 4242 | FAX 06258 51777 | MESSENGER 0170 234 2006Wieder lieferbar: Die Neuauflage von Ralf Schwobs ganz besonderer Erzählung "Der stillste Tag im Jahr" ist verfügbar!Der Veranstaltungsreigen geht in Kürze wieder los - Freuen Sie sich aber schon mal mit uns auf ...Unser Archiv wird gerade aktualisiert - nach 15 Jahren und hunderten Terminen und weit über tausend Rezensionen wird es mal Zeit -vielen Dank für Ihre Geduld!  

Kopfzeilesymbole
Newsletter     Hilfe        tolino Webreader         Öffnungszeiten          Wunschliste           Login / Mein Konto
Stickyhomesymbol
Direkt zum Seiteninhalt
Lieblinge des Monats Oktober.
Verflixtes Gefluche

„Wenn du’n Heimi bist, wenn du rumgeschoben wirst, wenn du nirgendwo hingehörst, wenn jeder alles mit dir machen kann und du komplett allein dastehst, dann musst du xxxxx fluchen! Du musst die größtmögliche xxxxx Schnauze haben, damit dich keiner frisst.“

Enni Alser ist elf Jahre alt, flucht viel, findet Mathematik und Naturwissenschaften super und weiß sich zu helfen. Das muss sie auch: Als Vollwaise ist sie von Pflegeeltern zu Pflegeeltern gewandert. Und die letzte Stelle war ein Jackpot – die Eltern wohlsituiert und freundlich-fröhlich, Noah, der Sohn, wie ein richtiger Bruder. Doch dann muss sich Enni doch wieder trennen, weil die Firma des Vaters und damit die Familie in die Schweiz umzieht, sie hingegen in ein Internat verfrachtet wird, weil ein Pflegekind nicht einfach in die Schweiz mit umziehen darf. Und damit beginnt das Chaos. Denn in Saaks gibt es jede Menge Geheimnisse und sie findet die Mitschüler absolut xxxxx. Für ihren Plan, dort auszubrechen und sich mit Noah zu treffen, braucht sie diese Mitschüler aber – und die brauchen sie auch …

Vanessa Walder hat einen großartigen Roman geschrieben, faszinierend erzählt (aus der Ich-Perspektive, Enni erzählt die Geschichte dem Psychiater, mit dem sie zusammenarbeiten soll), witzig, cool und spannend. Sehr empfehlenswert!

Vanessa Walder: „Die Unausstehlichen & ich – Das Leben ist ein Rechenfehler“, Loewe Verlag, 978-3-7855-8901-4, HC € 12,95, eBook € 9,99, CD € 12,99

Antworten auf absolut lebenswichtige Fragen in Popsongs

Dass bei uns abends vorgelesen wird, das ist nicht so ganz üblich. Es kommt schon mal vor, wenn ich Texte übe, oder einer von uns eine Anekdote oder etwas Wichtiges findet – aber seit die Kinder keine Vorlesestunde mehr mögen (und das ist seit geraumer Zeit, sie sind beide längst erwachsen) nur sporadisch. Gestern Abend hingegen war das Vergnügen ein langanhaltendes: James Balls „Isn’t it ironic?“ ist so klug (ja, wirklich klug!), unterhaltsam, pfiffig und vorlesefreundlich, dass irgendwie ein Kapitel aufs nächste folgte, unterbrochen von lautem Gelächter. Auch bei mir als Vorleserin, das passiert nicht allzu oft, ich hab‘ ja Übung …

„Isn’t it ironic“ von Alanis Morissette, „Does your mother know“ von Abba, „How soon is now“ von The Smiths – das sind nur drei von 88 Fragen, die James Ball untersucht hat. Sie entstammen Rock- und Popliedern der vergangenen 60 Jahre und bis zu diesem Buch hab‘ ich sie einfach hingenommen. Ein Fehler? Der titelgebende Song „Isn’t it ironic“ zum Beispiel enthält, nach der schlüssigen Analyse von Herrn Ball, eigentlich nur einen Fall von Ironie. „Does your mother know“ wäre heute sehr viel wahrscheinlicher als bei Entstehung des Songs, „How soon is now“ lässt sich eigentlich ganz einfach mit der Planck-Entfernung erklären. Balls Erklärungen entstammen der Mathematik, der Sprachwissenschaft, Physik, Geschichte und vielen anderen Bereichen mehr – und genau das macht das Buch nicht nur vergnüglich sondern auch klug.

James Ball: „Isn’t it ironic?“, Übersetzung: Benjamin Schilling, Verlag Droemer, ISBN 978-3-426-27795-9, € 14,99

Geschichten einer Fußpflegerin

Katja Oskamp ist Anfang vierzig, als sie umsattelt: Da ihr bisheriges Leben als Schriftstellerin nicht so gut läuft wie sie es gerne hätte, und sie irgendwie auch keine Idee hat, was sie in diesem Bereich anders machen könnte, beschließt sie, sich zur Fußpflegerin ausbilden zu lassen. Das führt im Bekanntenkreis (und auch bei den Schriftstellerkolleg*innen) zu Verwunderung – irgendwie fühlt es sich so an, als hätte die Fußpflegerin einen anderen Status als die Autorin (auch wenn die Bezahlung im Regelfall besser ist …). Oskamp lässt sich nicht beirren, besucht Lehrgänge, legt die Prüfung ab und bekommt schließlich eine Anstellung in einem Kosmetikstudio in einem der Plattenbauten von Marzahn.

Und damit beginnt ein großes Glück für uns Leser*innen. Denn in „Marzahn mon amour“ erzählt uns Oskamp von ihren Kund*innen, von deren Nöten und Freuden, vom Leben in Marzahn früher und heute. Das macht sie so zugewandt, wohlwollend und sprachlich angemessen, dass man eine Geschichte nach der anderen liest und genießt. Auch ihre eigenen Ansichten kommen klug daher, nachvollziehbar, freundlich und absolut nicht überheblich. „Marzahn mon amour“ ist ein feines, kleines Buch, das zu lesen lohnt. Mit Geschichten aus dem wirklichen Leben.

Katja Oskamp: „Marzahn mon amour – Geschichten einer Fußpflegerin“, Hanser Berlin, ISBN 978-3-446264144, € 16,00, eBook € 11,99

Ralf Schwob empfiehlt: Brisante Themen, virtuos erzählt

Max Wenger ist ein fast fünfzigjähriger Schriftsteller, der in der Klemme steckt: Seine Karriere versandet, seine Frau hat ihn gegen einen jungen Fitnesstrainer ausgetauscht und seine beiden jugendlichen Kinder verachten ihn. In seiner neuen Junggesellenwohnung bekommt er Briefe, die an den Vormieter gerichtet sind, sie enthalten die verstörende Geschichte einer Frau, deren Existenz vernichtet wurde. Es ist schwer zu beschreiben, was Mareike Fallwickl aus dieser Ausgangslage des Romans macht, weil die Perspektiven der Hauptprotagonisten (Vater, Tochter und Briefeschreiberin) so geschickt miteinander verflochten sind. Es ist eine aktuelle, ernste Geschichte über traumatische Erfahrungen, über Macht und Machtmissbrauch, aber sie ist auf derart unterhaltsame Weise und mit so viel grimmigem Witz erzählt, dass man nicht aufhören kann zu lesen.

Die Autorin nähert sich auch dem Thema der sexuellen Belästigung und der MeToo-Debatte wie nebenbei, dabei aber umso nachhaltiger, weil sie auf schnelle Bewertungen verzichtet. So hat man beim Lesen nie das Gefühl, dass einem eine Moral verkauft werden soll, dafür sind die Personen in diesem Buch auch zu vielschichtig und zu echt. Mareike Fallwickl ist es gelungen, brisante Themen in eine virtuos erzählte Geschichte zu packen, die einen niemals langweilt.   

Mareike Fallwickl: „Das Licht ist hier viel heller“, Frankfurter Verlagsanstalt, 978-3-627-00264-0, € 24,00, eBook € 15,99

Zurück zum Seiteninhalt