Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - BUCHHANDLUNG 08 2019

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Lieblinge des Monats September.
Eine andere Zeit

Wie war es in den 40er Jahren? Was haben die Menschen da gemacht? Womit haben die Kinder gespielt? Und wie wurde man satt? „Wir Kinder von früher“ beantwortet diese Fragen. Nicht anhand wirklicher Personen, eher als allgemeingültige Geschichten; und weil der Autor Herbert Günther selbst in dieser Zeit großgeworden ist, sind es wahrhaftige Geschichten: In jedem Ort gab es Kinder wie Toni, der irgendwie immer zu warten schien, wie Angelika, die Lachkatze, und ihre Zwillingsschwester Bettina, die immer genau hinsah und alles so schwer nahm. Kinder wie den stürmischen Volker, bei dem man nie genau wusste, ob er sich nicht wieder einmal in Gefahr gebracht hatte und den sensiblen Manfred, dem sogar der Räuber im Kasperl-Theater leidtat.

Für „Wir Kinder von früher“ hat Herbert Günther den Fundus des Leipziger Fotografen Karl Heinz Mai gesichtet und 113 Bilder für dieses Buch ausgewählt. Karl Heinz Mai war im Krieg so schwer verwundet worden, dass er beide Beine verlor und ab da im „Selbstfahrer“ unterwegs war, immer mit der Kamera an Bord. Sein Lieblingsmotiv waren Kinder in allen Lebenslagen – und aus diesem Schatz an Bildern hat Herbert Günther dann Kinderleben nacherzählt. Herausgekommen ist ein (wirklich begeisterndes) Familienbuch, mit dem das Erleben der Großelterngeneration richtig nachvollziehbar wird. Und bei dem es völlig egal ist, ob man es als Basis für Gespräche mit Kindern, Großeltern oder der eigenen Generation nutzt. Oder einfach nur anschaut und liest …

Karl Heinz Mai / Herbert Günther: „Wir Kinder von früher“, Klett Kinderbuch, 978-3-941411-39-5, 19,90 €

Beste Freundinnen

Betty ist in Rom, als ihr Telefon klingelt und Martha am anderen Ende hörbar nicht reden kann. Weil sie einander sehr gut kennen und zutiefst mögen, ändert Betty ihre Pläne und fährt statt ans Grab ihres Stiefvaters zurück nach Berlin. Es stellt sich heraus, dass Marthas Vater Kurt, unheilbar an Krebs erkrankt und Mitglied eines Sterbehilfevereins in der Schweiz, von Martha deswegen nach Chur gefahren werden will. Und weil sie das alleine nicht schafft – Martha fährt seit einem tragischen Autounfall nicht mehr selbst – muss Betty mitkommen. Der zweite Tag nimmt eine unerwartete Wendung und so finden sich Martha und Betty schließlich alleine auf dem Weg; und nun ist das Ziel eben jenes Grab, dessen Besuch Betty schon zehn Jahre vor sich herschiebt. Während der Fahrt gibt es nicht nur Alltägliches zu bereden – auch die ganz großen Themen kommen zu Sprache …

Lucy Fricke hat ein sehr kluges Buch übers Erwachsenwerden geschrieben: Auch wenn die beiden Freundinnen schon in den 40ern sind, und ihre Kindheit scheinbar aufgearbeitet haben – wirklich erwachsen wird man wohl erst, wenn eben diese Kindheit mit Abstand betrachtet werden kann und auch die Eltern weder zu groß noch zu klein gemacht werden. Wobei das gar nicht der Vorzug dieses Romans ist; Fricke unterhält richtig gut, kein jammervoller Ton ist zu lesen und reichlich zu schmunzeln gibt es auch. Bei ihr geht das in bester Form zusammen!

Lucy Fricke: „Töchter“, Rowohlt Verlag, 978-3-499-29015-2, Rowohlt Verlag, € 12,00

Vielfältig Erzählungen

King Tut ist ein Papagei, sein fester Platz ist auf den Schultern von Maurice Harbridge, dem Liebling aller Schulkinder. Denn Harbridge verkauft in dem kleinen Laden seiner Mutter Süßigkeiten an die Kinder, zwei Lakritzschnecken, fünf Brausebonbons, was gewünscht ist. Und King Tut kann alles sagen, wirklich nahezu alles, wenn Maurice es lange genug mit ihm übt. Es ist ein trauriger Tag, an dem Maurice das Leben verliert und was aus dem Papagei geworden ist, das ist lange Zeit unklar.

Vater und Sohn hingegen treffen sich an einem kalten Augustabend zum Gewichtheben. Auch wenn es an diesem Abend nicht einträchtig ist zwischen ihnen, das Gewichtheben ist festes Ritual. Aber vielleicht, vielleicht, ist dies das letzte Mal – denn es ist erstmals der Sohn, der das höhere Gewicht stemmt.

Ein anderer Sohn hingegen lauscht bei der Beerdigung des Vaters einer Geschichte, die er bisher nicht kannte. Sie handelt von einer Begebenheit vor vielen, vielen Jahren, als der Vater noch jung war und es ihm gelang, zumindest den einen kleinen Buben zu retten – und den anderen immerhin zur Mutter zu bringen. Und in vielen Jahren danach besagter Frau noch zur Hand zu gehen. Eine Geschichte, die geeignet wäre, jeden Sohn zu versöhnen …

Carl Nixons Kurzgeschichten sind sehr besonders: Immer mal blitzt das hervor, was ich mir als typisch neuseeländisch vorstelle - Schafe, verschlafene Kleinstädte, unwegbare Landschaft - aber vor allem hat er eine sehr wohlwollende Art, mit seinen Figuren umzugehen. Ein bisschen erinnert es mich an die Kurzgeschichten von Dorothy Parker, auch bei Nixon sind vor allem die "normalen Leute" im Fokus; Nixon guckt hinter die Fassade, führt aber niemanden vor. Es ist, als würden wir Leser einen kleinen Einblick bekommen und dann die Figuren in ein besseres Leben entlassen. Große Leseempfehlung!

Carl Nixon: „Fish’n’Chip Shop Song“, Culturbooks, 978-3-95988-107-4, € 20,00

Das Connor-Murphy-Projekt

Evan Hansen ist ein eigentlich ganz normaler Junge, abgesehen von leichten Depressionen und einer nicht ganz so intakten Familie. Er ist ein Einzelgänger und hat keine Freunde, hauptsächlich weil ihn keiner beachtet - doch dies ändert sich als plötzlich alle denken, dass er der beste Freund von Connor Murphy gewesen ist, der Selbstmord begangen hatte. Auf einmal kennt ihn jeder und er traut sich nicht das Missverständnis aufzuklären, da es der Familie von Connor Murphy das Herz brechen würde. Also hält er die Lüge aufrecht und bittet einen angeblichen Freund, E-Mails zu verfassen, die sich Connor Murphy und er geschrieben haben sollen. Als ein Mädchen Namens Alana Beck dann auch noch vorschlägt, ein Connor-Murphy-Projekt zu gründen um weitere Selbstmorde zu verhindern, reitet er sich immer weiter in die Welt der Lügen hinein. Um allem übel noch ein Krönchen aufzusetzen, ist er in die Schwester von Connor verliebt und kommt, auch wenn es eine etwas unorthodoxe Methode ist, so näher an sie heran und spendet ihr Trost.

Das Buch regt durch das etwas ernstere Thema zum Nachdenken an doch wird es in keinem Fall langweilig. Es ist sehr unterhaltsam geschrieben und bringt einen an manchen Stellen wirklich zum Lachen, dies zieht das Thema aber überhaupt nicht ins Lächerliche, sondern verstärkt nur die Leselust.

Val Emmich / Steven Levenson / Benj Pasek / Justin Paul: „Dear Evan Hansen“, Verlag cbj 978-3570-16565-2, € 18,00
 
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