Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Lieblinge des Monats September.
Marina Weisband / Frido Mann: Was uns durch die Krise trägt

Ein Generationengespräch – so lautet der Untertitel zu diesem Buch. Tatsächlich gibt es aber nicht nur den Altersunterschied, der die beiden trennt. Marina Weisband ist in Kyiv geboren und in den 1990er Jahren nach Deutschland immigriert; ihr Blick auf Russland und die Ukraine sowie den russischen Einmarsch ist geprägt durch eigenes Erleben und das Wissen um historische Zusammenhänge. Frido Mann hingegen verbrachte seine frühe Kindheit in den Vereinigten Staaten und ist immer wieder dorthin zurückgekehrt; sein Wissen über die demokratischen Strukturen dort speist sich aus diesen Besuchen. Aber es gibt auch viele verbindende Elemente – das Erleben von Migration und Gemeinschaft, Spiritualität und Religion zum Beispiel. Oder auch die Überzeugung, dass die Demokratie einerseits nicht einfach zu leben ist, weil sie uns immer wieder Entscheidungen und Mitarbeit abverlangt. Sie andererseits aber die Staatsform ist, die dem Anspruch an Freiheit und Würde am ehesten gerecht wird. Das Buch ist tatsächlich durch eine Gespräch entstanden und wurde in eben dieser Form auch gedruckt, dazwischen gibt es immer wieder Seiten, auf denen Weisband oder Mann ein Thema genauer erklären.

Das alles ist nicht sehr schwer zu lesen und mit knapp 200 Seiten braucht es auch nur einen überschaubaren Zeitrahmen. Aber die Ansätze der beiden, die eben gerade keine „einfachen“ Verhaltensanregungen sind, keine „einfachen Lösungen“, sondern komplexe Ideen, die vielfältig umgesetzt werden können, diese Ansätze beschäftigen weit über die Lesezeit hinaus. Weisband und Mann zeigen auf, dass einzelne Problemstellungen nicht isoliert betrachtet werden können. Sie kommen aber genau auch zu dem Schluss, dass jeder Einzelne etwas tun kann: Und das ist tatsächlich eine gute Nachricht!

Verlag wbg Theiss, 978-3-8062-4583-7, € 20,00
Doug Johnstone: Eingeäschert

Jim hatte sich gewünscht, nach seinem Tod im Garten verbrannt zu werden. Dass das gegen das Gesetz verstößt, das war ihm ziemlich egal – und wenn jemand die Möglichkeit hat, das umzusetzen, dann ja wohl das Beerdigungsinstitut, welches Jim mit seiner Frau geleitet hatte. Das Feuer glimmt noch, als sie in der Küche besprechen, wie es weitergehen soll mit Dorothy, der gemeinsame Tochter Jenny, Enkelin Hannah und Archie, dem Faktotum des Instituts. Dass sie das Institut weiterführen, das ist ihnen soweit klar und für Jenny ist es eine halbwegs gute Fügung, ein Zimmer im Haus von Jim und Dorothy zu beziehen. Aber wollen sie auch Jims Detektei weiter betreiben? Bevor die Frage wirklich beantwortet werden kann, verschwindet Hannahs Mitbewohnerin Melanie. Und weil niemand sich darum zu kümmern scheint, beginnt Hannah zu ermitteln. Fast gleichzeitig soll Jenny einen Ehemann beschatten. Dorothy hingegen entdeckt seltsame Zahlungen vom Firmenkonto …

Dough Johnstone hat mit „Eingeäschert“ einen sehr spannenden, völlig unvorhersehbaren Kriminalroman geschrieben, dessen unterschiedliche Handlungsstränge klug miteinander verwoben sind. Er lässt die drei Frauen des Skelf-Clans erzählen, jede hat ihre eigenen Ermittlungen und jede hat auch ihr eigenes Päckchen zu tragen – und trotzdem ist das aus einem Guss und liest sich toll. Dass Johnstone uns viele Ecken von Edinburgh vor dem inneren Auge entstehen lässt: das ist ein Zusatzgenuss.

Polar Verlag, Übersetzung: Jürgen Bürger, 978-3-948392-42-0, € 25,00
Julie Otsuka: Solange wir schwimmen

Solange sie schwimmen ist die Welt in Ordnung. Und es ist auch nicht wichtig, ob sie langsam oder schnell, dick oder dünn sind, modern oder altmodisch gekleidet – lediglich ein paar feste Regeln (wer vorbeischwimmen will, tippt die vordere Person an den Fuß … Oder: mit dem Bademeister redet man nicht …) sollte jeder einhalten, sonst bleibt es ein kurzes Intermezzo im Schwimmbad tief unter der Erde. Jede*r im Schwimmbad hat eine eigene Geschichte, einen eigenen Grund und ein erstes Mal. Alice hingegen scheint schon immer dagewesen zu sein. Und auch wenn eigentlich jeder mit sich beschäftigt ist, nach Alice schauen sie alle gemeinsam, nehmen Rücksicht, denken mit. Und dann ist ein Riss im Becken. Erst ist er so klein, dass man sich zwar daran stört und diese Bahn meidet, aber die meisten schwimmen weiter. Bis klar wird: Jetzt ist eine Komplettsanierung nötig.

Der Riss geht auch durch Alice‘ Leben. Solange das Schwimmbad war, war alles handhabbar – danach bricht sich Alice‘ Demenz immer schneller Bahn und schon bald zieht sie ins Bellavista um, ein Pflegeheim mit strengen Regeln. Doch seit wann ist Alice eigentlich krank? Gab es Vorzeichen, eine Vorgeschichte? Ist das Wiederholen der immer gleichen Geschichten bei älteren Menschen nicht vollkommen normal?

Julie Otsuka schreibt einzigartig. Auf 150 Seiten und in eher kurzen Sätzen entsteht erst eine ganz eigenständige Welt im Schwimmbad, dann die sich davon komplett unterscheidende Welt im Pflegeheim – oft das genaue Gegenteil zu den Freiheiten damals. Im dritten Teil schließlich kommt Alice’ Tochter zu Wort, die deren Leben Revue passieren lässt; und damit auch versucht, sich selbst besser zu verstehen. „Solange wir schwimmen“ ist ein Buch, das einen lange beschäftigt!

Mare Verlag, Übersetzung: Katja Scholtz, 978-3-86648-691-1, € 20,00
Erich Hackl: Am Seil

Eine Heldengeschichte – so hat Erich Hackl diese Erzählung, viel mehr ist es mit seinen knapp 120 Seiten nicht, überschrieben. Den Helden, um den es in der Geschichte geht, diesen Helden und seine Heldentat, die gab es wirklich: Reinhold Duschka freundete sich in den 1920er Jahren mit Rudolf Kraus an, der einige Zeit später Vater des Mädchens Lucia werden sollte. Auch wenn die Mutter, Regina Steinig, Kraus nicht heiraten wollte, fühlte sich Duschka offensichtlich der Familie verbunden. Zumal er selbst Regina als großherzige Frau kennengelernt hatte. Bei den Treffen in Reginas Küche servierte sie zu den Gesprächen über Alltägliches und Politisches jedem ein Schälchen Maisgrießpudding, auch wenn der Geldbeutel alles andere als gut gefüllt war. Nach wenigen Jahren, in denen es Regina und Lucia besser ging, kam Hitler auch in Österreich an die Macht. Schon im September 39 wurde Reginas Vater von zwei Polizisten abgeholt, ein Telegramm des Inhalts, dass er verstorben wäre, kam nur einen guten Monat später. Das war der letzte Anstoß, den Regina brauchte, um für sich und ihre Tochter ein Versteck zu suchen – und in Reinhold Duschkas Werkstatt auch zu finden …

Erich Hackl erzählt diese wahre Geschichte in nüchternem Erzählstil. Seine Personen sind trotzdem alles andere als skizzenhaft – wir lesen von realen Menschen und haben sie wirklich bildlich vor Augen. Auch wenn von der Gefahr die Rede ist, vom Verbrechen an so vielen Menschen, von Unmenschlichkeit, auch dann trifft Hackl genau den richtigen Ton: Wir alle wissen, was passiert ist, es bedarf keiner Schonung – aber auch keiner Sensationssucht. Das Buch wäre übrigens auch eine sehr gute Schullektüre.

Diogenes Verlag, 978-3-257-24523-3, € 12,00

Franziska Gehm / Fréderic Bertrand: Kiki legt los!

Kiki geht nicht gerne in die Schule. Sie muss morgens so früh los und dann ganz lange stillsitzen – und ihre beste Kindergarten-Freundin Melody geht in eine andere Klasse. Als die ruhige Hanna während des Unterrichts vorsichtig anfragt, ob sie mal aufs Klo gehen darf, fragt Kiki einfach auch: Dann kann sie mal raus aus dem Klassenraum und muss nicht weiterhin so doofe Kringel malen. Als Hanna sich beim Händewaschen vollkommen nassspritzt, hat Kiki die Idee, den Pullover einfach am Handtrockner trockenzuföhnen. Das dauert eine Weile und weil einfach nur rumstehen blöd ist, singen sie lautstark das Klopapierlied. Als Hanna zwei Stifte aus der Rocktasche fallen, fängt Kiki an, Kringel auf der Toilettenwand zu üben und bald haben die beiden die ganze Wand mit „Kunst“ verschönert. Das bleibt selbstverständlich nicht unentdeckt. Und es steht natürlich Ärger ins Haus …

Nicht alle Kinder gehen gerne in die Schule, das ist einfach so. Da ist es ganz hilfreich, wenn man eine Geschichte kennt, in der das anfangs auch so ist. Und in der es dann sogar erstmal schlimmer wird. Aber, wir Erwachsenen wissen das natürlich: Nichts bleibt so wie es ist und immer gibt es die Möglichkeit, dass es noch wirklich schön wird. Genau das zeigt dieses Buch. Und die vielen Bilder sowie der nicht allzu kleine Druck machen es wirklich gut lesbar! (Vorlesbar ist es sowieso …)

Arena Verlag, 978-3-401-71889-7, € 12,00

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