Die besonderen Empfehlungen dieses Monats - BUCHHANDLUNG 12 2019

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Lieblinge des Monats Januar.
Abenteuer im Sherwood Forrest

Maya, Emma und Oskar werden „die Bleichgesichter“ genannt – und das ist nicht nett gemeint. Solange sie ihre Zeit in der Bibliothek verbringen können, ein Buch in der Hand und eine Geschichte im Kopf, ist es ihnen aber egal. Denn die Bibliothek ist sowieso der einzige Ort, der ihnen wirklich gut gefällt. Doch eines Tages soll sie geschlossen werden! Zum Glück ergreift Frau Müller-Liebelein, die Bibliothekarin, die Initiative und bringt die Bücher in ihre geheime Bücherei. Vielmehr: Sie lässt die Bücher bringen, und zwar von Maya, Emma und Oskar. Zum Dank schenkt sie ihnen ein Buch und rät ihnen, es gemeinsam in der Hand zu halten und daraus vorzulesen, wenn sie in Gefahr sind. Die Gefahr lässt nicht lange auf sich warten und der Sherwood Forrest dann auch nicht …

Robin Hood kennt ja eigentlich jedes Kind. Rüdiger Bertram erzählt, abenteuerlich und spannend, eine etwas andere Geschichte – nämlich die von einem Räuber, den erst „die Bleichgesichter“ auf den richtigen Pfad führen. Das ist vergnüglich zu lesen und, weil es großzügig gedruckt ist, auch für diejenigen ab 8 Jahren gut geeignet, die sich mit dem Lesen nicht ganz so leichttun.

Rüdiger Bertram: „Retter der verlorenen Bücher – Mission Robin Hood“, Verlag Ueberreuter, 978-3-7641-5116-4, € 12,95

Testleserin Kaya empfiehlt:
Zeitschleife

Bee hat seit dem Tod ihres Freundes Jim kein Wort mehr mit ihren einst besten Freunden gesprochen. Was sich allerdings ändert, als sie beschließen, sich nach einem Jahr wiederzutreffen. Es wird ein schöner Abend unter Freunden. Doch dann entgehen sie nur knapp einem Autounfall. Als später ein Mann bei ihnen klingelt und ihnen erklären will, dass dieser Unfall doch geschehen ist und nur einer der Freunde überlebt hat, halten sie ihn für verrückt. Aber es stellt sich heraus, dass eben dieser Mann recht hat und sie von nun an so lange in einer Zeitschleife zwischen Leben und Tod gefangen sind, bis sie die Person wählen, die überlebt. Schnell merken die ehemals besten Freunde, dass irgendwie alles mit Jims Tod zusammenhängt und sie beginnen nachzuforschen, was in jener Nacht geschehen ist, als Jim ums Leben kam.

Das Buch ist aus Bees Sicht geschrieben, die auch die Hauptperson ist. Es ist immer aufregend und spannend. Aber auch nervenrauben und vor allem unvorhersehbar. Immer wieder geschehen Wendungen, die die Geschichte noch spannender machen. Ein 100-%iger Treffer im Bereich Fantasy-Thriller!

Marisha Pessl: „Niemalswelt“, Carlsen Verlag, Übersetzung: Claudia Feldmann, 978-3-551-58400-7, € 18,00, eBook € 12,99, Hörbuch € 18,00

Bimini

Beim Routinescan von Containern voller Importware im Hamburger Hafen werden fünf Leichen entdeckt. Fünf kleine indische Mädchen, die ein Kuscheltier im Arm halten, auf dem das Logo einer Pharmafirma aufgedruckt ist. Die Polizei ermittelt, die Presse ist alarmiert – gibt es einen Zusammenhang zwischen Leichen und Firma? Iliana Kornblum, bei der Pharmafirma bisher zuständig für das erfolgreiche Alzheimer-Medikament Bimini, bekommt wenige Tage später den Chefposten für ein wichtiges Projekt angetragen; Mark, der bisherige Chef und ihr langjähriger Freund, hat die Firma mit sofortiger Wirkung verlassen. Kornblum ist einerseits sicher, dass ihre Firma „sauber“ ist – andererseits gibt es an allen Ecken und Enden Unstimmigkeiten. Dass ihre Tochter Marie in ähnlichem Alter ist wie die Mädchen, macht das Rätsel um ihren Tod für sie noch schwerer erträglich. Und keinen klaren Kopf zu haben, ist ausgesprochen gefährlich …

Jens Lubbadehs Thriller ist ungewöhnlich konstruiert. Wir Leser*innen haben mehrere Handlungsstränge und Lösungsansätze im Auge – und immer wieder tun sich neue, logische Entwicklungen auf. Aber nicht nur darum ist das Buch so interessant: Es sind die ethischen, moralischen und medizinischen Fragen, die Lubbadeh mit eingearbeitet hat, Fragen, die uns alle betreffen und die wir beim Lesen quasi mitdenken und -bearbeiten.

Jens Lubbadeh: „Transfusion“, Heyne Verlag, 978-3-453-32008-6, € 14,99, eBook € 11,99

Unbekannt

Alfred Russel Wallace war Engländer und in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in Südamerika und Malaysia als Sammler tätig. Während längerer Aufenthalte dort hat er Tausende von Käfern und Schmetterlingen eingefangen und katalogisiert – und dabei ist er immer wieder auf die Schwierigkeit gestoßen, ob etwas eine eigene Art, eine Unterart oder „nur“ eine Variation ist. Über diese Frage kam er der Entstehung der Arten auf die Spur, und zwar vor Charles Darwin, den er in einem Brief über seine These unterrichtete. Trotzdem ist Wallace kaum bekannt, Darwin hingegen kennt jedes Schulkind.

Der Autor Anselm Oelze nähert sich Wallace auf zwei Ebenen: Da ist Wallace selbst, „der Bärtige“, der aus seinem Leben und von seinem Tun berichtet. Und da ist Albrecht Bromberg, der Museumswärter in der Jetztzeit. Durch Zufall wird Bromberg an einem Tag gleich zweimal mit einem Bild von Wallace konfrontiert – das irritiert ihn so, dass er diesem Menschen auf die Spur kommen will.

Oelzes Debutroman über den unbekannten Außenseiter Alfred Russel Wallace ist mit 250 Seiten eher schmal, vor allem aber ist er sprachlich beeindruckende, historisch interessante und überaus kluge Unterhaltung.

Anselm Oelze: „Wallace“, Schöffling & Co., 978-3-89561-132-2, € 22,00, eBook € 17,99, Hörbuch € 22,00

Kurze Zeit

Hans Bauer hatte sich vier Monate völlig Auszeit gegönnt. Vier Monate nach acht Jahren durchgehender Rechtsanwaltstätigkeit, vier Monate ohne Nachrichten, nur mit persönlichen Briefen. Als er Ende April 1933 nach Berlin zurückfährt, beginnen schon im Zug die Machtspiele gegenüber den jüdischen Mitbürgern – Bauer ist entsetzt, schweigt aber wie die anderen auch. In Berlin angekommen, gibt es schon größere Veränderungen: Sozius Dr. Schwartz musste seine Zulassung zurückgeben, ein anderer Arzt hatte die Praxis von Dr. Aaron übernommen, beide haben jüdische Wurzeln. Vor allem aber unternimmt die Polizei nichts gegen Taten von SA-Leuten, ganz egal, wie schwerwiegend diese sind. Bauer verschweigt seinen jüdischen Urgroßvater und versucht, unauffällig zu bleiben, merkt aber schnell, dass er sich dann gemein machen muss mit Nazis und SA. Eine sehr gefährliche Zeit beginnt, die er letztendlich nur knapp überlebt.

Felix Joachimson, 1902 in Hamburg geboren, arbeitete einige Jahre als Journalist in Berlin, emigrierte 1933 nach Österreich und Ungarn und 1936 schließlich in die Vereinigten Staaten. Dort verfasste er unter dem Namen Felix Jackson Drehbücher und Romane – „Berlin, April 1933“ ist sein dritter Roman, den er mit fast achtzig Jahren erst veröffentlichte. Es ist ein zutiefst beeindruckender Text, der sehr anschaulich, auf einer sehr nachvollziehbaren, menschlichen Ebene, aufzeigt, wie schnell Hitler sein Regime etablierte und welche perfiden Machtsysteme er dafür nutzte. Ich möchte dieses Buch jedem Erwachsenen in die Hand drücken und sagen: „Lies!“

Felix Jackson: „Berlin, April 1933“, Weidle Verlag, Übersetzung: Stefan Weidle, 978-3-938803-88-2, € 23,00

Zukunft? Zukunft!

Mario Sixtus, Jahrgang 1966, ist Journalist, Dokumentarfilmer, Online-Berichterstatter, er ist der Online-Welt fast näher als der Offline-Welt. In seinem ersten Buch verbindet er beide Welten und reicht sein profundes Wissen über „Zukunft“ an uns Leser*innen weiter: Er erklärt, wie sich unsere Sicht auf die Zukunft im Laufe der Zeit verändert hat, ob und was Zukunft überhaupt ist. Er stellt dar, wie unser Gehirn durch die ihm eigene Chemie arbeitet, wie es mit Informationen umgeht und was dies wiederum mit unseren Reaktionen bezüglich des „Später“ zu tun hat. Das ist ausgesprochen interessant und sehr vergnüglich zu lesen. Vergnüglich nicht wegen der Quintessenz (die sieht Sixtus dezent hoffnungsvoll …), sondern vergnüglich bezüglich seiner Vergleiche und Verweise, die oft sehr bildhaft dargestellt werden.

Selbstverständlich kann man Sixtus‘ Buch wegen des Begriffs Zukunft lesen. Aber wirklich wichtig wird es, weil er die Zukunft vor dem Hintergrund der Klimakatastrophe betrachtet – zu wissen, warum wir Menschen wie zukunftsfähig sind, ist ein Schlüssel zur Veränderung. Und die ist dringend nötig!

Mario Sixtus: „Warum an die Zukunft denken?“, Verlag Duden, 978-3-411-75634-6, € 14,00, eBook 11,99 €



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