Die Eulalia-Post im Oktober 2026:
Eulalia-Post 01-10-2026
Liebe Büchermenschen,
schwupps, sind die Adventstitel auf dem Mitteltisch. Und einige sind auch schon bei „Ihnen“ – es erleichtert den Alltag, wenn man schon Haken bei Dingen machen kann, die man eh‘ machen muss … Im Laufe der Woche wird es auch schon ein Schaufenster mit Weihnachtsromanen geben; die mag‘ ich gerne, weil man tatsächlich schon ein bisschen Wohlgefühl tankt, ob wir den Inhalt nun cosy, hyggelig oder gemütlich nennen wollen. Vielleicht haben Sie dann ja Lust, vorbeizuspazieren.Das bietet sich zum Beispiel an, bevor Sie am Freitag (23.10.26, 19 Uhr) in die Stadthalle zum Film kommen: „Was uns bewegt“ verdient ein breites Publikum! Sehr besonders und beachtenswert wird sicher auch das Interview am Ende des Filmes sein, bei dem Tobias Weber als Hauptdarsteller Einblick auch in seinen Alltag gewährt. Alle Infos finden Sie im Anhang, der Eintritt ist frei.
Ganz Kurzentschlossene können (nach Anmeldung) auch schon am Dienstag, 20.10.26 ab 19 Uhr in die Stadtwabe kommen: „Gernsheim liest“ widmet sich in diesem Monat dem beeindruckenden Buch „Südfall“ von Florian Knöppler. Der Eintritt ist frei.
Überhaupt steht jetzt viel an, denn vom 31.10. bis 07.11.2026 feiern wir die Woche der unabhängigen Buchhandlungen, WuB genannt – mit 1.100 Buchhandlungen, die daran teilnehmen, ist sie das weltweit größte Event der Buchbranche!
Das „Lieblingsbuch der Unabhängigen“ – auch hier haben 1.100 Buchhandlungen bei der Wahl mitgemacht! – wurde auf der Frankfurter Buchmesse gekürt, „Riesinnen“ von Hannah Häffner hat die meisten Stimmen bekommen. Die Autorin ist supersympathisch, der Roman hat gerade vier andere auf meinem SuSch übersprungen …
Das hier ist unser Beitrag zur WuB: Wer sich noch für „Feine Bücher für schöne Stunden“ am Samstag, 31.10.26 um 18 Uhr in der Stadtwabe anmelden möchte, sollte das bis zum 22.10.26 erledigt haben, weil wir dann das Essen bestellen müssen. Die 18 € Eintritt umfassen Speisen und Getränke und es sind nur noch wenige Plätze frei.
Am Donnerstag, 05.11.2026 um 19 Uhr liest Ulrike Sabine Maier aus „Hinter tausend Stäben“; sie verknüpft auf sehr eindrückliche Weise die Geschichte von Inge, die sich dem Frauenbild des NS-Regimes entzieht, mit dem ihrer Tochter Luise und den Enkeltöchtern. Der Roman spielt auf mehreren Zeitebenen und ist anrührend, klug und in sehr genauer Sprache verfasst.
An diesem Abend wird auch Karina Lotz, die Verlegerin dieses Romans, dabei sein und über ihre Arbeit und alle Herausforderungen berichten. Sowohl Ulrike Sabine Maier als auch Karina Lotz stehen für Rückfragen zur Verfügung. Der Eintritt kostet 10 €.
Am Freitag, 06.11.2026 um 19 Uhr laden das Gemüse Netzwerk e. V. und wir zum schon legendären Abend mit „10 Köstlichkeiten“ in die Stadtwabe ein. Hier gibt es nur noch wenige Restkarten, die 18 € Eintritt beinhalten Speisen und Getränke und fließen vollumfänglich ans Gemüse Netzwerk e. V.
Und am Samstag, 07.11.2026, ist die Spendenpraktikantin von 10 bis 13 Uhr bei uns in der Buchhandlung! Sie hilft beim Verpacken – dafür steht auch ihr Spendenkässchen bereit – und liest sehr gerne vor, „Freunde“ von Helme Heine steht auf dem Programm.
Damit auch genug zu verpacken ist, gewähren wir an diesem Samstag 10 % Rabatt auf vorrätige Kalender, dann haben Sie auch was davon (und das Weihnachtspapier steht auch schon bereit). Auf diesen Vormittag freu‘ ich mich sehr!
Damit auch genug zu verpacken ist, gewähren wir an diesem Samstag 10 % Rabatt auf vorrätige Kalender, dann haben Sie auch was davon (und das Weihnachtspapier steht auch schon bereit). Auf diesen Vormittag freu‘ ich mich sehr!
Ich freue mich auch sehr auf den nächsten Sonntag – wir haben für den Abend Konzertkarten und werden vorher in Frankfurt mindestens eine der tschechischen Ausstellungen besuchen, die im Rahmen des Ehrengast-Auftritts bei der Frankfurter Buchmesse entstanden sind. Für einen Besuch im Palmengarten wird es zeitlich eher nicht reichen, aber über den Vorplatz der Deutschen Nationalbibliothek werden wir sicher bummeln. Falls Sie Tschechien auch noch ein wenig entdecken wollen, hier sind sämtliche Infos: LINK
Unsere Buchempfehlungen sind jedes Jahr im Oktober auch dem Gastland „geschuldet“, das habe ich ja in der letzten Eulalia schon erzählt. Hier kommen also zwei Titel aus Tschechien, die ich Ihnen unbedingt ans Herz legen will:
Alice Horáčková: Geteiltes Haus
Benetzko im Riesengebirge: Seit Jahrzehnten leben Deutsche und Tschechen recht friedlich miteinander. Ganz reibungsfrei ist das Zusammenleben nicht, aber es gibt genug Verbindungen und Gespräche zwischen den Bewohner:innen der tschechischen und deutschen Stadtteile. Manchmal gibt es auch Freundschaften, so wie die zwischen Zdenka Honců und Anežka Braun. Dass sie Brüder heiraten, verstärkt die Freundschaftsbande, auch wenn Anežka mit Vinzenz Hollmann die schlechtere Wahl trifft …
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war eine sehr bewegte Zeit in Mitteleuropa und das Sudetenland nimmt sich da nicht aus. Zu Beginn gehörte es zur K.-u.-k.-Monarchie, nach dem ersten Weltkrieg zu zwei aufeinanderfolgenden Tschechoslowakischen Republiken und nach dem zweiten Weltkrieg (bis zur Auflösung der Tschechoslowakei) zur dritten. Die Geschichte des Sudetenlandes ist das eigentliche Zentrum von Alice Horáčková über 700 Seiten starken Roman. Anhand der ganz unterschiedlichen, sehr plastisch beschriebenen Einwohner:innen des kleinen Ortes Benetzko, beschreibt sie, wie Politik direkten Einfluss auf das Miteinander hat. Die Freundschaft von Zdenka und Anežka zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, ohne es auszuformulieren bietet die Autorin mit dieser Freundschaft einen zarten Ausblick auf Völkerverständigung, die ja immer vom miteinander Reden lebt.
Horáčkovás Roman ist autofiktional, heißt ihre Familiengeschichte ist direkt mit eingeflossen. Und er ist, trotz des eher nüchternen Erzählstils, hochinteressant und lesenswert. Nicht nur, wenn man sich für tschechische Geschichte interessiert.
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war eine sehr bewegte Zeit in Mitteleuropa und das Sudetenland nimmt sich da nicht aus. Zu Beginn gehörte es zur K.-u.-k.-Monarchie, nach dem ersten Weltkrieg zu zwei aufeinanderfolgenden Tschechoslowakischen Republiken und nach dem zweiten Weltkrieg (bis zur Auflösung der Tschechoslowakei) zur dritten. Die Geschichte des Sudetenlandes ist das eigentliche Zentrum von Alice Horáčková über 700 Seiten starken Roman. Anhand der ganz unterschiedlichen, sehr plastisch beschriebenen Einwohner:innen des kleinen Ortes Benetzko, beschreibt sie, wie Politik direkten Einfluss auf das Miteinander hat. Die Freundschaft von Zdenka und Anežka zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, ohne es auszuformulieren bietet die Autorin mit dieser Freundschaft einen zarten Ausblick auf Völkerverständigung, die ja immer vom miteinander Reden lebt.
Horáčkovás Roman ist autofiktional, heißt ihre Familiengeschichte ist direkt mit eingeflossen. Und er ist, trotz des eher nüchternen Erzählstils, hochinteressant und lesenswert. Nicht nur, wenn man sich für tschechische Geschichte interessiert.
Diogenes Verlag, Übersetzung Sophia Marzolff, 978-3-257-07400-0, € 28,00
Karel Čapek: W. U. R.
Helene Glory hat eine Mission: Sie möchte die Lebensumstände der Roboter verbessern. Sie kann sich nicht vorstellen, dass ein Leben ohne eigenen Willen, ohne Gefühle und die Aussicht auf ein schöneres Morgen, ein gutes Leben ist. Dass Roboter streng genommen gar nicht „leben“, obwohl Erfinder Werstand Senior sie aus menschenähnlichem Material herstellte, das ist ihr nicht beizubringen. Für Zentraldirektor Domin ist es Liebe auf den ersten Blick, und er versteht es sogar, Helene für sich einzunehmen, auch wenn sie zuerst nicht zugeneigt ist.
Das Theaterstück spielt auf zwei Zeitebenen: Die, in der Helene erstmals auf der Insel eintrifft, die die Fabrik beherbergt, und zehn Jahre später, da ist sie mit Domin verheiratet. Auf dieser Insel leben nur wenige Menschen und die obere Führungsebene der Fabrik ist genauso verliebt in Helene. Am zehnten Jahrestag gratulieren ihr alle, jeder hat ein persönliches Geschenk dabei. Doch zum Feiern kommen sie nicht – die Roboter sind aufständig und haben bereits auf der ganzen Welt sehr blutig ihre Interessen durchgesetzt. Die Insel mit der Roboterfabrik ist quasi die letzte Bastion …
Roboter ist ein Begriff, den wohl jeder kennt. Dass ihn der tschechische Autor Karel Čapek für ein Theaterstück erfunden hat, das wissen wohl nur wenige (Sie gehören jetzt dazu). Das Stück erschien im Jahr 1920 und was Čapek sich da ausgedacht hat, ist wegweisend! Er verhandelt nicht nur die Frage, ob Fortschritt immer und in allen Bereichen uneingeschränkt hilfreich ist; er bringt auch die Negativseiten des Kapitalismus ins Spiel. Und was wir Menschen zu einem guten Leben brauchen, lässt sich auch herauslesen. Die Übersetzung ist aus dem Jahre 1922, einige Szenen würden heute sicher anders geschrieben – z. B. die der „Roboter verschiedener Rassen“ wäre sicher anders erzählt und auch einige Wörter sind heute zum Glück nicht mehr im Sprachgebrauch. Aber das alles schmälert die Wucht nicht, mit der der Autor vor 100 Jahren ein Thema bearbeitet, das heute wahnsinnig aktuell ist.
(Karel Čapek ist in Deutschland übrigens für sein feinsinnig-humorvolles „Jahr des Gärtners“ bekannt, dass es in vielen Ausgaben und mit unterschiedlichen Illustrationen gibt. Es lohnt sich unbedingt, die Texte dieses Autors zu entdecken!)
Das Theaterstück spielt auf zwei Zeitebenen: Die, in der Helene erstmals auf der Insel eintrifft, die die Fabrik beherbergt, und zehn Jahre später, da ist sie mit Domin verheiratet. Auf dieser Insel leben nur wenige Menschen und die obere Führungsebene der Fabrik ist genauso verliebt in Helene. Am zehnten Jahrestag gratulieren ihr alle, jeder hat ein persönliches Geschenk dabei. Doch zum Feiern kommen sie nicht – die Roboter sind aufständig und haben bereits auf der ganzen Welt sehr blutig ihre Interessen durchgesetzt. Die Insel mit der Roboterfabrik ist quasi die letzte Bastion …
Roboter ist ein Begriff, den wohl jeder kennt. Dass ihn der tschechische Autor Karel Čapek für ein Theaterstück erfunden hat, das wissen wohl nur wenige (Sie gehören jetzt dazu). Das Stück erschien im Jahr 1920 und was Čapek sich da ausgedacht hat, ist wegweisend! Er verhandelt nicht nur die Frage, ob Fortschritt immer und in allen Bereichen uneingeschränkt hilfreich ist; er bringt auch die Negativseiten des Kapitalismus ins Spiel. Und was wir Menschen zu einem guten Leben brauchen, lässt sich auch herauslesen. Die Übersetzung ist aus dem Jahre 1922, einige Szenen würden heute sicher anders geschrieben – z. B. die der „Roboter verschiedener Rassen“ wäre sicher anders erzählt und auch einige Wörter sind heute zum Glück nicht mehr im Sprachgebrauch. Aber das alles schmälert die Wucht nicht, mit der der Autor vor 100 Jahren ein Thema bearbeitet, das heute wahnsinnig aktuell ist.
(Karel Čapek ist in Deutschland übrigens für sein feinsinnig-humorvolles „Jahr des Gärtners“ bekannt, dass es in vielen Ausgaben und mit unterschiedlichen Illustrationen gibt. Es lohnt sich unbedingt, die Texte dieses Autors zu entdecken!)
Henricus Verlag, Übersetzung: Otto Pick, 978-3-8478-4974-2, € 5,80
Dann ist mir doch tatsächlich in der letzten Woche erst aufgefallen, dass die letzten Eulalias ohne Gedicht waren. Ich hätte gerne neuere tschechiche Lyrik hier präsentiert, aber das gibt Probleme mit dem Copyright. So ist es denn eines von Rainer Maria Rilke geworden – wenn ich mir das bildhaft vorstelle, möchte ich erst recht einen Weihnachtsroman lesen 😉
Herbst
Die Luft ist lau, wie in dem Sterbezimmer,
an dessen Türe schon der Tod steht still;
auf nassen Dächern liegt ein blasser Schimmer,
wie der der Kerze, die verlöschen will.
an dessen Türe schon der Tod steht still;
auf nassen Dächern liegt ein blasser Schimmer,
wie der der Kerze, die verlöschen will.
Das Regenwasser röchelt in den Rinnen,
der matte Wind hält Blätterleichenschau; -
und wie ein Schwarm gescheuchter Bekassinen
ziehn bang die kleinen Wolken durch das Grau.
der matte Wind hält Blätterleichenschau; -
und wie ein Schwarm gescheuchter Bekassinen
ziehn bang die kleinen Wolken durch das Grau.
Wir lassen uns aber nicht bang machen, ja? Selbst an richtig regennassen Tagen tut ein Spaziergang gut (und Regen wünschen wir uns ja sowieso alle und immer noch).
Wer mag kann beim Bummeln auch die neue Geschichte im Bilderbuchpfad spazierensehen:
Da ist seit Freitag „Das Rübchen“ ausgestellt, ein ukrainisches Märchen, und der Text ist sowohl in ukrainischer als auch deutscher Sprache dabei. Am 27.10.2026 um 16 Uhr gibt es auch eine Lesung dort, die Geschichte wird in beiden Sprachen zu Gehör gebracht – die IG Bilderbuchpfad lädt herzlich ein!
Die nächsten Tage werde ich viel Zeit mit den Büchern verbringen, die ich am „Feine Bücher“-Abend vorstellen werde. Darauf freue ich mich sehr!
Darum erst recht ein: Lesen Sie gut!
Lucia Bornhofen
mit dem Team der
Buchhandlung Bornhofen e. K.
Magdalenenstraße 55, 64579 Gernsheim
FON 06258 4242, FAX 06258 51777
HRA Darmstadt 53224
Magdalenenstraße 55, 64579 Gernsheim
FON 06258 4242, FAX 06258 51777
HRA Darmstadt 53224