Die Eulalia-Post im April 2026:
Eulalia-Post 01-04-2026
Liebe Büchermenschen,
seit 2023 gibt es die Feministische Buchwoche – sie ist die Reaktion auf „Frauen zählen“, eine Untersuchung über die Sichtbarkeit von Autorinnen sowie Kritikerinnen im Literaturbetrieb. Denn das Ergebnis der Untersuchung war, dass zwei Drittel der besprochenen Bücher von Autoren stammten. Außerdem sind sowohl die Themen männlich dominiert, als auch sind die Kritiken überwiegend von Männern geschrieben.
Die Bücherfrauen e. V., ein deutschlandweites Netzwerk, hat darum die Feministische Buchwoche (FemBuWo) ins Leben gerufen. Ich bin zwar nicht Mitglied dieses Netzwerks (die Zeit fehlt), aber ich finde die Sache notwendig und sinnvoll – und darum gibt es seit 2023 auch bei uns die FemBuWo. Neben der Präsentation von feministischen Titeln auf unserem Mitteltisch sind wir auch mit Buchbesprechungen „am Start“; wir haben ja eh‘ jeden Monat sechs Titel, die wir empfehlen, und das sind im April 2026 ausschließlich Titel von Frauen und mit weiblichen Lebenswelten. Es ist eine wilde Mischung, die hoffentlich nicht nur uns begeistert! Wie immer sind auch viele unabhängige Verlage mit in unserer persönlichen Auswahl … Zwei kommen hier:
Veronika Kracher: Bitch Hunt – Warum wir es lieben, Frauen zu hassen
Frauenhass im Internet – das kommt jedem, der in den sozialen Medien aktiv ist, „normal“ vor. Natürlich kommt es immer auf die eigene Bubble an, doch selbst in weitestgehend feministischen Räumen poppt er immer wieder auf. Dass das kein Zufall ist, analysiert Veronika Kracher in diesem Sachbuch. Anhand vieler Beispiele, die sich mit den genannten Fußnoten allesamt nachvollziehen lassen, führt sie aus, wie die Strukturen sind, welche Werkzeuge Verwendung finden, um Frauen systematisch zu erniedrigen und zu entmenschlichen. Das ist nicht schwer zu lesen, so ganz grundsätzlich, aber unglaublich schmerzhaft – mir kommt es vor wie ein Blick in die Hölle.
Erst das dritte Kapitel ist überschrieben mit „Was ist Misogynie?“. Damit wir diesen Begriff einheitlich verwenden und verstehen, erklärt Kracher (S. 48/49), dass sie ihn verwendet wie die Autorin und Philosophin Kate Manne, die Misogynie als Straf- und Kontrollmechanismus des Patriachats begreift. Alle Beispiele, alle Frauen, denen digitale Misogynie entgegenschreit, in sämtlichen Kapiteln, bestätigen diese Definition. Veronika Kracher erklärt nicht anhand einzelner Vorgänge, sondern setzt verschiedene Kampagnen gegen ganz unterschiedliche FLINTA (ich benutze den Begriff in diesem Zusammenhang ganz bewusst, weil ganz besonders queere Menschen misogyner Gewalt ausgesetzt sind) miteinander in Beziehung.
„Bitch Hunt“ ist ein wichtiges Buch zur richtigen Zeit. Leider. Was wir dem entgegensetzen können, das zeigt sich gerade auch: Unbedingte Solidarität, sowohl Online als auch im echten Leben.
Verbrecher Verlag, 978-3-957326-46-1, € 22,00
Irene Dische: Prinzessin Alice
Man konnte nicht sagen, dass sie ihr Leben liebte – ihr Zusammenleben mit vier pubertierenden Töchtern auf engstem Raum, und die Angewiesenheit auf das finanzielle Wohlwollen ihrer Schwägerin. Aber vielleicht war sie ja gewohnt, das Beste aus unangenehmen Situationen zu machen? Immerhin war sie taub geboren und hatte trotzdem ganz selbstverständlich ihren Platz im Königshaus eingenommen, sie konnte in mehreren Sprachen Lippenlesen und ihre heitere Art trug sie durch viele unangenehme Situationen. Und da war ja auch noch ihre Liebe zu Jesus. Doch es kann die eigenständigste Prinzessin nicht ihr Leben leben, wenn die Schwägerin sie für geisteskrank hält …
Prinzessin Alice von Griechenland gab es wirklich, sie entstammte dem Darmstädter Adelsgeschlecht der Battenbergs, war taub und Urenkelin von Queen Victoria. Nach dem ersten Weltkrieg verarmt und ohne Beistand, verbrachte sie tatsächlich einen Teil ihres Lebens in einer geschlossenen Anstalt, danach lebte sie unstet, oft wusste nur ihre Mutter, wo sie gerade weilte. Die vier Töchter von Prinzessin Alice heirateten hochrangige Nazis, ihr Sohn Philip war fast 70 Jahre mit Queen Elisabeth von England verheiratet.
Irene Dische hat aus den biographischen Daten eine ungewöhnliche Satire entwickelt, in der vor allem Alice selbst zu Wort kommt. Alice‘ Erzählstimme nimmt einen sofort gefangen – auch wenn man nichts mit Fürstenhäusern am Hut hat, man ist mittendrin in höfischen Abläufen und Intrigen. Und darüber hinaus gelingt Dische ein außerordentliches Porträt einer sehr ungewöhnlichen Frau. Auch wenn nicht alle biographischen Daten stimmen …
Verlag Claassen, Übersetzung: Tanja Handels, 978-3-546-10156-1, € 20,00
Man konnte nicht sagen, dass sie ihr Leben liebte – ihr Zusammenleben mit vier pubertierenden Töchtern auf engstem Raum, und die Angewiesenheit auf das finanzielle Wohlwollen ihrer Schwägerin. Aber vielleicht war sie ja gewohnt, das Beste aus unangenehmen Situationen zu machen? Immerhin war sie taub geboren und hatte trotzdem ganz selbstverständlich ihren Platz im Königshaus eingenommen, sie konnte in mehreren Sprachen Lippenlesen und ihre heitere Art trug sie durch viele unangenehme Situationen. Und da war ja auch noch ihre Liebe zu Jesus. Doch es kann die eigenständigste Prinzessin nicht ihr Leben leben, wenn die Schwägerin sie für geisteskrank hält …
Prinzessin Alice von Griechenland gab es wirklich, sie entstammte dem Darmstädter Adelsgeschlecht der Battenbergs, war taub und Urenkelin von Queen Victoria. Nach dem ersten Weltkrieg verarmt und ohne Beistand, verbrachte sie tatsächlich einen Teil ihres Lebens in einer geschlossenen Anstalt, danach lebte sie unstet, oft wusste nur ihre Mutter, wo sie gerade weilte. Die vier Töchter von Prinzessin Alice heirateten hochrangige Nazis, ihr Sohn Philip war fast 70 Jahre mit Queen Elisabeth von England verheiratet.
Irene Dische hat aus den biographischen Daten eine ungewöhnliche Satire entwickelt, in der vor allem Alice selbst zu Wort kommt. Alice‘ Erzählstimme nimmt einen sofort gefangen – auch wenn man nichts mit Fürstenhäusern am Hut hat, man ist mittendrin in höfischen Abläufen und Intrigen. Und darüber hinaus gelingt Dische ein außerordentliches Porträt einer sehr ungewöhnlichen Frau. Auch wenn nicht alle biographischen Daten stimmen …
Verlag Claassen, Übersetzung: Tanja Handels, 978-3-546-10156-1, € 20,00
Natürlich ist auch das Gedicht dieser Eulalia zum Thema passend:
Traum
Ich bin so vielfach in den Nächten.
Ich steige aus den dunklen Schächten.
Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein.
So selbstverloren in dem Grune,
Nachtwache ich, bin Traumesrunde
Und Wunder aus dem Heiligenschrein.
Und öffnen sich mir alle Pforten,
Bin ich nicht da, bin ich nicht dorten?
Bin ich entstiegen einem Märchenbuch?
Vielleicht geht ein Gedicht in ferne Weiten.
Vielleicht verwehen meine Vielfachheiten,
Ein einsam flatternd, blasses Fahnentuch …
Emmy Hennings (geb. 1885, gest. 1948)
Seit Anfang dieser Woche „toure“ ich durch sieben Grund- und zwei weiterführende Schulen, insgesamt 34 Klassen mit fast 800 Kinder werde ich Ende Mai im Rahmen der Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ besucht haben. Bisher verstehen die Kinder mich und ich sie – aber so ganz grundsätzlich gibt’s da schon manchmal „Übersetzungsschwierigkeiten“. Das führt mich zum Tipp in dieser Eulalia: Der insta-Account @jugendmedienverstehen übersetzt nicht nur – er klärt auch umfangreich über das Medienverhalten von Jugendlichen auf. Content-Creator Luna ist Sozialpädagogin und kritische Medienbildnerin und ich lerne quasi täglich dazu. Ich finde ihre Infos gerade auch für Eltern und/oder Lehrkräfte sehr hilfreich, und ja, auch mir hilft das. Denn zu wissen, womit sich Jugendliche gerade beschäftigen, ist nicht nur für Erziehung und Bildung wichtig, sondern überhaupt auch für die gesamte Kommunikation.
Vielleicht haben Sie es mitbekommen: Wir feiern am 23. April selbstverständlich den Welttag des Buches – es gibt wunderbare Fairtrade-Rosen! -, aber die Lesung mit Robert Focken habe ich abgesagt. Leider gab es nur eine verschwindend geringe Anmeldezahl. Mir scheint, historische Themen sind eher uninteressant? Denn auch die Lesung mit Birgit Herold im Februar war nicht sonderlich gut besucht. Ich wäre wirklich froh über Ihre Meinung: Nur sehr ungern plane ich ja am Bedarf vorbei.
Sicher stattfinden wird das Bücherfest am kommenden Samstag (25. April) von 14.30 bis 17 Uhr auf dem Schöfferplatz in Kooperation mit dem Kinderschutzbund. Ein Termin, auf den ich mich immer sehr freue: Es gibt viel zu erleben – basteln, puzzeln, stapeln, jede:r kann Buttons machen, der Lesethron steht bereit und noch dies und Jenes und Selles ...
In diesem Jahr gibt es auch einen Themenschwerpunkt auf Kinderrechte. Außerdem mache ich um 15.30 und 16.30 Uhr Bilderbuchkino für 3 bis 7-Jährige.
Und während der ganzen Zeit bieten wir eine Schnitzeljagd durch Gernsheim für Grundschulkinder an – mit schönen Gewinnen und natürlich auch Trostpreisen.
Für die Führung im Staatsarchiv Darmstadt am 30. April um 16 Uhr gibt es noch Plätze. Das wird superinteressant! Falls Sie mitgehen möchten: Am Montag 27. April muss ich die Teilnehmerzahl melden, Ihre Anmeldung bräuchte ich also vorher.
Und auch sicher stattfinden wird „Lesen? Ist doch einfach“, ein Abend mit vielen Infos über die Grundlagen zum Leseeinstieg! Was ist lesen? Wie funktioniert es? Warum ist es notwendig und wie mach' ich es meinem Kind schmackhaft? Wie kann ich es unterstützen, wenn es sich schwertut? Und überhaupt: Gibt es richtig gute Bücher für den Leseeinstieg?Am 4. Mai 2026 biete ich um 19 Uhr diese Veranstaltung an und habe natürlich reichlich Material da, damit es anschaulich wird. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten.
(Die Veranstaltung ist im Rahmen der Woche der Meinungsfreiheit. Diese ist vom 3. Mai bis 10. Mai – mehr in der nächsten Eulalia!)
(Die Veranstaltung ist im Rahmen der Woche der Meinungsfreiheit. Diese ist vom 3. Mai bis 10. Mai – mehr in der nächsten Eulalia!)
Beim nächsten Treffen im Lesekreis „Gernsheim liest“ am Montag, 15. Juni 2026 wird übrigens über Alina Bronskys „Pi mal Daumen“ gesprochen. Vielleicht möchten Sie ja mitreden? Es ergeht herzlichen Einladung mit der Bitte um Anmeldung.
Was fehlt? Der Bilderbuchpfad. Diesmal mit großem Dank an Ulrike Ehret und Birgit Weinmann für Rechteanfrage und Austausch (ich kann nur immer wieder sagen, dass mich die IG Bilderbuchpfad sehr glücklich macht!). Bis zum 16. Mai ist dort „Im Garten mit Emma und Paul“ spazierenzusehen: Neben einigen Seiten mit relativ viel Text gibt es auch einige zum "Ins-Gespräch-kommen" - nicht nur Emma und Paul entdecken, was im Frühling im Garten so alles passiert. Herzlichen Dank auch an den Don Bosco Verlag für die Ausstellungsgenehmigung.
Die nächste Eulalia kommt schon in der nächsten Woche. Mal sehen, was bis dahin so alles passiert … Bei Ihnen hoffentlich nur Schönes!
Und: Lesen Sie gut!
Herzlichst Ihre
Lucia Bornhofen
mit dem Team der
Buchhandlung Bornhofen e. K.
Magdalenenstraße 55, 64579 Gernsheim
FON 06258 4242, FAX 06258 51777
HRA Darmstadt 53224
Buchhandlung Bornhofen e. K.
Magdalenenstraße 55, 64579 Gernsheim
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