Jugendbuch Lieblinge in 2021 - 2020 - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Unsere Jugendbuch-Lieblinge in 2021:
Erstklassig

Mason Buttle ist groß, schwitzt übermäßig und er ist Legastheniker. Doch das macht Mason Buttle absolut nichts aus. Was ihn hingegen ausmacht: Er hat einen realistischen Blick auf die Welt und sieht oft hinter die Tatsachen, er kann nicht lügen – und er ist ein überaus treuer Freund mit einem großen Herzen. Außerdem glaubt er, das Unglück magisch anzuziehen, denn in einem einzigen Jahr starben erst sein Großvater und dann seine Mutter. Ein paar Jahre später dann sein bester Freund Benny beim Sturz von der Leiter ihres gemeinsamen Baumhauses. Seitdem ist Sergeant Bairde regelmäßiger Gast in der „Bruchbude“, dem Haus, in dem Masons Familie wohnt. Der Sergeant möchte genau wissen, was damals am Baumhaus geschah, und darum hat er Mason ein Notizheft gegeben, in dem dieser alles aufschreiben soll, was ihm einfällt. Aufschreiben. Lesen, was aufgeschrieben ist, um den Anschluss zu finden. Das schafft Mason ja gar nicht. Erst als Miss Binny, die freundliche Sozialarbeiterin in Masons Schule, ein Schreibprogramm installiert, kann Mason die Geschichte tatsächlich erzählen.

Auf der Rückseite des Buches steht ein Vergleich mit Forrest Gump. Dem stimme ich nicht zu – denn Mason Buttle hat einen sehr viel differenzierteren Blick auf die Welt, er ist gerade nicht der nur Naive (das goldene Herz hat er trotzdem). Auch wenn er stoisch sehr viel erträgt, auch Dinge, die schwer zu ertragen sind. Jugendliche  Leser:innen haben jedenfalls einen Roman vor sich, der wahrhaftig und anrührend, erschreckend und wohltuend ist, alles gleichzeitig. Er hinterlässt ein sehr, sehr warmes Gefühl.

Leslie Connor: „Die ganze Wahrheit (wie Mason Buttle sie erzählt)“, Übersetzung: André Mumont, Hanser Verlag, 978-3-446-26802-9, € 16,00
Eine Schicksalsgemeinschaft

Klavierlehrer Gabriele Santoro ist ein zurückgezogen lebenden Einzelgänger, der eines Morgens einen Gast in seiner Wohnung hat: Ciro, der zehnjährige Sohn des Nachbarn von oben, hat sich in einem unbeobachteten Augenblick in Santoros Wohnung geschlichen und erhofft sich trotzigen Blickes, bleiben zu können. Erst nach einigen Tagen berichtet er, warum er sich versteckt - er wollte mit seinem Freund zusammen eine alte Frau berauben, diese ist dabei gestürzt und liegt jetzt im Koma. Die alte Frau war die Mutter des örtlichen Mafia-Clan-Chefs und Ciro weiß sehr genau, was ihn erwartet. Gegen alle Erfahrungen hilft der "Maestro" und versteckt ihn. Allerdings zieht sich die Schlinge der Mafia immer dichter um die beiden …
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Die Geschichte spielt in Neapel - und das gleichermaßen erschreckende wie in-die-Geschichte-hineinziehende ist die Selbstverständlichkeit, mit der die Mafia dort über Leben und Tod entscheidet. Bzw. die Selbstverständlichkeit mit welcher der Autor Roberto Andò das darstellt (er lebt dort und weiß, wovon er spricht). Andò verhandelt mit Hilfe der Geschichte auch die Frage, ob das Recht oder die Gerechtigkeit für eine Gesellschaft wichtiger sind. Eine abschließende Antwort bleibt er uns allerdings schuldig. Die Gedichtzitate und Bezüge zu Musik und Literatur, die sich durch den ganzen Roman ziehen, sind übrigens kein bisschen aufgesetzt, sie passen hervorragend zur Figur des Maestro.

Roberto Andò: „Ciros Versteck“, Übersetzung: Verena von Koskull, Folio Verlag, 978-3-85256-826-3, € 22,00
Faszinierend und aktuell

Piper erwacht in einem Raum, den sie nicht kennt, sie hat keine Erinnerung an das, was passiert ist. Lediglich das "Davor" ist ihr präsent - das Leben auf dem Gelände des aufgelassenen Freizeitparks, mit drei Schwestern, vier Brüdern und zwei Tanten, die ein unerbittliches Regime führen. Das Warten auf Mutter und Vater, die von allen vergöttert werden. Sie leben dort sehr naturnah und Piper als große Schwester hat viel Verantwortung. Vor allem versucht sie, Vaters Anforderungen gerecht zu werden und seine Vorgaben umzusetzen.

Langsam schleicht sich aber das "neue" Leben in dieses Buch („Danach“), erst als Bedrohung („Vater hat immer gesagt, dass die da draußen uns nach dem Leben trachten“), aber je mehr Erinnerung Piper zulässt, desto schwieriger ist es, diese mit den Fakten in Einklang zu bringen. Piper muss aus zwei vollkommen unvereinbaren Bruchstücken ihr Selbst entwickeln.

Man ist sofort hineingezogen in diese Geschichte aus zwei Perspektiven, die doch nur von einer Person erzählt wird. Das „Davor“ bekommt Risse und wird immer bedrohlicher, das „Danach“ hingegen wird lebbarer, auch weil Piper klug begleitet wird. „Lügentochter“ ist großartig geschrieben und derzeit mein Jugendbuch-Highlight, das ich auch jedem Erwachsenen in die Hand drücken möchte!

Megan Cooley Peterson: „Lügentochter“, magellan Verlag, 978-3-7348-5051-6, € 17,00
Unsere Jugendbuch-Lieblinge in 2020:
Klimakrise zum Anschauen

Wie wandelt sich das Klima? Und warum? Gibt es global gültige Faktoren? Kann es uns egal sein, dass die Pole abschmelzen?
Antworten auf diese und noch viel mehr Fragen kann man nahezu überall nachlesen, das Internet ist voll von Informationen. Auch Bücher zum Thema gibt es einige, wissenschaftliche und populärwissenschaftliche, übersichtliche und weniger übersichtliche, leider auch Polemik. Das ist eigentlich gut, weil sich jeder die für sich günstigste Herangehensweise aussuchen kann – und nicht ganz so gut, weil es mittlerweile ziemlich schwer ist, einen Überblick zu bekommen.

Für alle Jugendlichen und Erwachsenen, die vor allem Zusammenhänge begreifen, sich aber trotzdem schnell informieren wollen, ist „Das Klimabuch“ von Esther Gonstalla das passende Buch. Bereits in der dritten Auflage und damit aktuell in 2019 überarbeitet, stellt die Grafikerin auf jeweils einer Doppelseite verschiedene Einzelthemen dar (von „Wie das Klimasystem funktioniert“ über „Versteckte Emissionen im Warenhandel“ und „Das Meereis in der Arktis schwindet“ bis „Nachhaltig konsumieren“). Die Sortierung ist so gewählt, dass die Themen in der Reihenfolge aufeinander aufbauen – man kann also jede Seite für sich betrachten, aber auch einen guten Zusammenhang herstellen. Darüber hinaus ist in kurzen Notizen erklärt, worauf es ankommt; und oft genug ist auch eine wichtige zusätzliche Information abgedruckt (z. B. das zum Fußabdruck von uns hier in Deutschland natürlich auch die Produktion von uns genutzter Waren in der ganzen Welt gehören.)

Rundum empfehlenswert!

Esther Gonstalla: „Das Klimabuch – Alles, was man wissen muss, in 50 Grafiken“, Oekom Verlag, 978-3-962381-24-0, € 24,00, eBook € 18,99
Testleserin Kaya empfiehlt:
Zeitschleife

Bee hat seit dem Tod ihres Freundes Jim kein Wort mehr mit ihren einst besten Freunden gesprochen. Was sich allerdings ändert, als sie beschließen, sich nach einem Jahr wiederzutreffen. Es wird ein schöner Abend unter Freunden. Doch dann entgehen sie nur knapp einem Autounfall. Als später ein Mann bei ihnen klingelt und ihnen erklären will, dass dieser Unfall doch geschehen ist und nur einer der Freunde überlebt hat, halten sie ihn für verrückt. Aber es stellt sich heraus, dass eben dieser Mann recht hat und sie von nun an so lange in einer Zeitschleife zwischen Leben und Tod gefangen sind, bis sie die Person wählen, die überlebt. Schnell merken die ehemals besten Freunde, dass irgendwie alles mit Jims Tod zusammenhängt und sie beginnen nachzuforschen, was in jener Nacht geschehen ist, als Jim ums Leben kam.

Das Buch ist aus Bees Sicht geschrieben, die auch die Hauptperson ist. Es ist immer aufregend und spannend. Aber auch nervenrauben und vor allem unvorhersehbar. Immer wieder geschehen Wendungen, die die Geschichte noch spannender machen. Ein 100-%iger Treffer im Bereich Fantasy-Thriller!

Marisha Pessl: „Niemalswelt“, Carlsen Verlag, Übersetzung: Claudia Feldmann, 978-3-551-58400-7, € 18,00, eBook € 12,99, Hörbuch € 18,00

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