Krimi Lieblinge 2025 - 2024 - Buchhandlung und Verlag Bornhofen in Gernsheim am Rhein

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Unsere Krimi-Lieblinge in 2024:
Ralf Schwob empfiehlt: Der Einäugige und die Lahme

Polizeiobermeister Kay Oleander hat ein Auge verloren. Aus der Menge demonstrierender Menschen heraus hat ihn eine Flasche getroffen, nun ist er krankgeschrieben und wartet auf die Versetzung in den Innendienst. Er sucht die Person auf, die im Verdacht steht, die Flasche geworfen zu haben, und trifft eine vom Leben enttäuschte, körperlich behinderte Frau an. Es dauert lange, bis die beiden Vertrauen zueinander aufbauen. Silvia Glaser ist wegen ihres Unfalls, der sie zur Gehbehinderten gemacht hat, den Staatsorganen gegenüber äußerst kritisch eingestellt. Sie sucht die Gesellschaft zu Menschen, die wie sie von den Behörden und Ordnungsorganen im Stich gelassen wurden, und gerät dabei in den Umkreis einer neurechten Partei. Als sie dort von Anschlagplänen erfährt, zieht sie Kay Oleander ins Vertrauen, der sich aber nicht sicher ist, welche Absichten Silvia wirklich verfolgt …

Anis Roman ist kein klassischer Thriller oder Krimi. Die Spannung baut sich nur langsam auf und wird immer wieder durch die genaue Beschreibung der Seelenqualen Oleanders ausgebremst. Obwohl es vordergründig um einen politisch motivierten Anschlag geht, sind die eigentlichen Fragen, die hier aufgeworfen werden, eher existenzieller Natur. Die beiden Hauptpersonen sind versehrte Menschen, die mit ihren Dämonen ringen und doch gegen alle Widerstände versuchen, das Richtige zu tun. Friedrich Ani schaut seinen Figuren tief in die Seelen und lässt uns sprachlich sehr direkt teilhaben an ihrem Leben, das kurz davorsteht, komplett aus den Fugen zu geraten.

Friedrich Ani: Bullauge, Suhrkamp Verlag, 9783518473726 € 13,00

Josephine Tey: „Alibi für einen König“

Alan Grant liegt mit multiplen Brüchen im Krankenhaus – er ist, grotesker kann ein Dienstunfall nicht sein, durch eine Falltür gestürzt. Die Bücher auf dem Nachttisch langweilen ihn fast noch mehr als die ewiggleiche Zimmerdecke über ihm. Bis Marta Hallard bei ihrem zweiten Besuch einen ganzen Umschlag voller Portraits mitbringt: Sie kennt seine Vorliebe für Gesichter und dachte, es könne ein guter Zeitvertreib sein, etwas über die historischen Persönlichkeiten herauszufinden. Aus dem letzten Portrait liest Grant ein großes Verantwortungsgefühl des Dargestellten heraus, sowie einen hohen Grad an Perfektionismus. Zu seinem großen Erstaunen ist es Richard III, ein König des 15. Jahrhunderts, der in englischen Geschichtsbüchern als der große Schurke dargestellt wird: Er soll seine beiden Neffen zur Seite geschafft haben, um sich den Thron zu sichern. Wie passen Geschichte und Bild zusammen?

„Alibi für einen König“ wurde 1969 von einer britischen Jury zum besten Krimi aller Zeiten gewählt. Ich habe ihn gerade zum zweiten Mal gelesen (das erste Mal ist fast dreißig Jahre her …) und kann diese Entscheidung sehr gut verstehen! Josephine Tey erzählt mit hintergründigem Humor von einer Ermittlung, die ungewöhnlicher nicht sein kann. Der Kriminalfall liegt 600 Jahre zurück, es gibt darum selbstverständlich keine Quellen aus erster Hand und die Geschichtsschreibung widerspricht sich in vielerlei Hinsicht. Und doch kommt Grant zu einem logischen und nachvollziehbaren Ermittlungsergebnis. Das ist wirklich großartige Krimikost – und ich bin sehr froh, dass gerade alle Bücher von Josephine Tey wiederauflegt werden!

Oktopus (ein Imprint des Kampa-Verlages), Übersetzung Maria Wolff, 978-3-311-30050-2, € 17,90

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