Unsere Jugendbuch-Lieblinge in 2026:
Tara Sullivan: The Bitter Side of Sweet
Wenn sie ihr Soll voll bekämen, müssten sie
nichts fürchten. Dann wäre Moussa am Abend entspannt und sie bekämen keine
Schläge. Aber Seydou ist mit seinen acht Jahren nun mal zu jung für die Arbeit
in der Kakaoplantage und Amadou ständig in Sorge um seinen kleinen Bruder. Und
für zwei arbeiten muss Amadou auch, er will ja, dass ihnen die kleine
Essensration nicht gestrichen wird. Seit zwei Jahren geht das so und nur ganz
am Anfang haben sie einen Fluchtversuch unternommen. Gelungen ist die Flucht
noch keinem Jungen, ihnen auch nicht.
Dann bringt der Jeep nur eine einzige Person ins Lager: ein Mädchen. Dabei arbeitet hier kein Mädchen, nie. Khadija macht gleich großen Ärger – sie überredet Seydou, ihre Fesseln zu lösen, und flieht in den Busch. Natürlich wird sie eingefangen, Amadou hilft Moussa und den anderen Wächtern dabei, vielleicht bekommt er dadurch weniger Schläge, denn natürlich muss er sich vor Seydou stellen. Ob er ihr danach aus schlechtem Gewissen beisteht? Oder, weil sie den lange vergessenen Widerstandsgeist in ihm weckt?
„The Bitter Side of Sweet“ ist ein packender Jugendroman, der von großer Gefahr handelt und von Mut und Freundschaft erzählt: Amadou, Seydou und Khadija können nur fliehen, weil sie zusammenstehen. Weil sie ihr Misstrauen zur Seite schieben und beschließen, einander zu vertrauen. Dass uns die Autorin Tara Sullivan die Realität von rund 1,5 Millionen Kindern vor Augen führt, die für „unseren“ Schokoladenhunger wie Sklaven arbeiten müssen – natürlich verstehen wir das schon gleich zu Beginn der Lektüre. Aber, wie es bei guten Büchern ist, wir werden nicht belehrt. Sondern zum Denken angeregt …