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unsere Literarischen-Empfehlungen in 2013:



Hach.

Keine der ach-so-beliebten Resteverwertungen, sondern randvoll mit bisher unbekannten Bildern Vico von Bülows ist die „Spätlese". Nur ab und zu, um ein Thema abzurunden, wurden bereits veröffentlichte Zeichnungen ergänzt. Die ersten über zweihundert Seiten, „Frühstücke" genannt, beginnen mit kleinen und kleinsten Karikaturen, die schon bald durch themenbezogene Bildsequenzen übergehen (hier sei vor allem der „strenge Chef" erwähnt, der von der Zeitung Weltbild abgelehnt worden war). Man schaut – und lacht. Und das ist bei den folgenden Kapiteln (Große Deutsche, Privates und Halbprivates und Möpse) nicht anders. Das letzte Kapitel allerdings birgt eine kleine Überraschung: Loriots „Nachtschattengewächse" zeigen den Künstler, wie wir ihn bisher nicht kannten.
Schon wenn man nur den Namen hört, fängt man an, sich zu freuen: Loriot. Und bei diesem fulminanten Werk, großformatig, dick und in Leinen gebunden, bleibt die Freude (selbstverständlich …) bestehen.  

Susanne von Bülow / Peter Geyer / Oa Krimmel (Hrsg.): „Loriot Spätlese", Diogenes Verlag, € 39,90


Warum in die Ferne schweifen?

In den Ferien schaut man sie sich natürlich gerne an: die Parks und Gärten des Urlaubsortes und seiner Umgebung. Wieder zu Hause ist das ein bisschen anders, im Alltag nimmt man sich wenig Zeit für Erkundungen. Dass das ein Fehler sein kann, zeigt das feine Buch von Hans-Dietrich zur Megede über die Darmstädter Rosenhöhe, reichlich bebildert mit den sehr stimmungsvollen Fotographien von Marek Lufft. Herr zur Megede hat seinen informativen, reizvollen Text, in dem man nicht nur einiges über die Rosenhöhe und ihre Bepflanzung, sondern auch über die Bewohner der dortigen Künstlerkolonie erfährt, mit vielfältigen Gedichten ergänzt – das Buch erfreut auch beim Lesen zu Hause.

Hans-Dietrich zur Megede: „Ein literarischer Spaziergang über die Rosenhöhe in Darmstadt.", Querschnitt-Edition, € 14,80 €


Ralf Schwobs Urlaubsbüchertipp 2013:

Thomas Hettches Roman „Die Liebe der Väter" erzählt von einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung, dem Zauber der Ostseeinsel Sylt und der Liebe zu Büchern. Verlagsvertreter Peter hat eine Tochter, aber das Sorgerecht für sie hat er nicht. Mit der Mutter des Kindes liefert er sich seit Jahren einen erbitterten Kleinkrieg, in dessen Mittelpunkt die mittlerweile 13-Jährige Annika steht. Während eines gemeinsamen Urlaubs auf Sylt geraten der an seiner Rolle immer mehr verzweifelnde Vater und die pubertierende Tochter aneinander …
Trotz des schwierigen Themas gelingt es dem Autor, eine mitreißende Geschichte zu erzählen, bei der am Schluss die tiefe, liebevolle Bindung zwischen Vater und Tochter über alle Widrigkeiten siegt. Zudem ist das Buch eine Liebeserklärung an Bücher, Büchermenschen und Buchhandlungen.   

Thomas Hettche: „Die Liebe der Väter", BtB, € 9,99


Geheimnisse

Es gibt Dinge, die man bewusst falsch erzählt. Und es gibt Dinge, über die man einfach nur schweigt – weil die Worte fehlen, oder das Vertrauen, weil man an sich selbst zweifelt oder es nie den passenden Rahmen gibt: Jon, ehemals gefeierter Schriftsteller und Siri, seine Frau, leben neben einander her. Seit Jahren weiß Siri, dass Jon sie betrügt, doch den Töchtern Alma und Liv zuliebe schweigt sie. Auch Jenny, Siris Mutter, schweigt, sie hat keine Sprache für den Tod des Sohnes, auch wenn er schon Jahre zurückliegt. Im Sommer, in dem Jenny 75 Jahre wird, lebt noch Mille bei der Familie, sie hütet Alma und Liv. Doch am Abend der Geburtstagsfeier verschwindet sie spurlos; erst zwei Jahre später finden drei kleine Jungen zufällig ihre Leiche. Was war geschehen?
Linn Ullmann erzählt, vielstimmig und in zahlreichen Rückblenden, vom Unglück einer Familie, vom Leben mit- und nebeneinander, von gewollten und ungewollten Verletzungen. Und das hallt lange nach.
Linn Ullmann: „Das Verschwiegene.", Luchterhand Verlag,    
€ 19,99, eBook € 15,99


Sechzig Begegnungen.

„Ein brauchbarer Germanist ist immer auch ein matchmaker
. Er bedarf der Geschicklichkeit der alten Heiratsvermittler. Er will nicht sich selbst darstellen, sondern das Zusammenfinden von Leser und Werk ermöglichen, mit Tricks gegebenenfalls, mit Schmeicheleien, faustdicken Lobreden, diskreten Hinweisen auf versteckte Reize, mit schnellem Schimpfen zwischendurch und hartnäckigem Aufdecken des Scharfsinns im Text, des Gedichts als philosophische Tat." Peter von Matt im Vorwort zu „Wörterleuchten."
Normalerweise schreiben wir unsere Texte selbst. Aber: diese drei Sätze treffen so genau auf den Punkt, sie beschreiben so deutlich das Anliegen des Autors, da beugen wir einfach das Haupt und zitieren. Und erfreuen uns in der gewonnenen Zeit lieber an den sechzig wunderbaren, kurzen Deutungen, mit denen von Matt unsere Liebe zu Gedichten wachsen lässt.

Peter von Matt: „Wörterleuchten - Kleine Deutungen deutscher Gedichte", dtv, € 9,90


Thriller oder Familientragödie? Beides!

„Nach allem, was passiert ist, weiß ich jetzt zumindest eines ganz sicher: dass die Besorgnis meines Vaters um uns nicht umsonst war. Wer so magisch denkt wie ich, könnte sogar behaupten, dass er uns mit dieser gigantischen Besorgnis beschützt hat." Kaum ist Vater Herman gestorben, bricht Sara Silversteins Welt auseinander: erst wird sie beim Joggen überfallen und fast vergewaltigt, dann brechen Diebe in ihr Haus ein und schießen auf ihren Mann Jacob. Sohn Mitch, der sich für ein Jahr Studium nach Berkeley abgemeldet hatte, geht stattdessen zu den Marines; er hatte es schon geraume Zeit geplant, sich jedoch nicht getraut, es seinen Eltern zu sagen. Nach und nach ergeben sich Zusammenhänge, die bis in die vierziger Jahre zurückreichen – zu der Besetzung der Niederlande durch die Nazis und die Deportation der Juden, der Herman Silverstein nur durch Glück entgangen war …
Jessica Durlachers Roman ist große Literatur: mit klarer Sprache erzählt sie eine Geschichte von Schuld, Sühne und Hass, die den Leser lange nicht loslässt.

Jessica Durlacher: „Der Sohn", Diogenes Verlag, € 22,90, eBook € 20,99



Càmfora.

Diesen Titel hat die Autorin Maria Barbal vor 20 Jahren ihrem Roman gegeben. Càmfora, Kampfer – dessen durchdringender Geruch Tischtücher und alles andere vor Eindringlingen zu schützen vermag aber gleichzeitig die Luft vergiftet - ist zweischneidig wie die Traditionen in der Familiengeschichte, mit der Barbal so gekonnt den Umbruch im Spanien der 60er Jahre beschreibt:
Von jetzt auf gleich beschließt der alte Leandre Raurill, den Hof aufzugeben und mit Sohn und Schwiegertochter nach Barcelona zu gehen. Er setzt alles daran, es nicht wie eine Flucht aussehen zu lassen, obwohl doch jeder im Dorf vom schlechten Verhältnis zum Mann seiner Tochter weiß. Barcelona allerdings bietet einen solchen Kontrast zum bisherigen Leben – weder Leandre noch Sohn Maurici können Fuß fassen. Mauricis Frau Palmira hingegen, die im Dorf wie alle anderen Frauen ihre Rolle klaglos erfüllt hat, findet dort Freiheiten, die sie nicht aufzugeben bereit ist …

Maria Barbal: „Ein Brief aus der Ferne.", Diana Verlag, € 8,99





unsere Literarischen-Empfehlungen in 2012:



Ein Kennenlernen.

Viele Schafe, viel grün, wenige Menschen und steigender Tourismus, das sind die Eckdaten, die wir mit Neuseeland verbinden. Natürlich wissen wir noch, dass es zum britischen Commonwealth zählt und die Ureinwohner, die Maori, sich in früherer Zeit durch ihre außergewöhnlichen Tattoos auszeichneten. Diese Daten mit Leben zu füllen, dafür bietet die Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr reichlich Gelegenheit, denn Neuseeland ist diesmal Gastland.
Gute Literatur vermag genau das – Fakten mit Leben füllen und die Menschen hinter Zahlen und Daten zeigen. „Ein anderes Land – Short Storys aus Neuseeland", herausgegeben vom neuseeländischen Lyriker Bill Manhire, zeigt mit 18 Geschichten aus 50 Jahren die ganze Vielfalt des Lebens im „Land der weißen Wolke". Wir empfehlen allerdings, sich vom Ende nach vorne durchzulesen – die Entwicklung des Landes, besonders bezüglich der Ureinwohner, ist so auch den Kurzgeschichten abzulesen.

Bill Manhire (Hrsg.): „Ein anders Land.", dtv € 9,90


Ringelnatz, Erhardt und Weitholz …

Joachim Ringelnatz und Heinz Erhardt kennt und liebt man, ihre Texte sind ein großes Vergnügen. Wer ist denn aber Arezu Weitholz?? Sie ist Textdramaturgin für Udo Lindenberg und Die Toten Hosen, arbeitet als Journalistin und Illustratorin unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung – und in ihrer „freien" Zeit ist sie offensichtlich auch Dichterin. Und zwar eine mit viel Humor, einem leicht kruden Hang zur Sprachspielerei und klugen Gedanken übers Menschsein. Wobei: eigentlich müsste es ja klugen Gedanken zum Fischleben heißen, denn in ihrem gerade als Taschenbuch erschienen Lyrikband „Mein lieber Fisch" sind alle möglichen Wasserbewohner die Hauptpersonen. Kleine Kostprobe gefällig? „Im Bauch der Nacht träumte der Karpfen vom Fliegen – aufgewacht ist er geräuchert im Liegen."

Arezu Weitholz: „Mein lieber Fisch – Vierundvierzig Fischgedichte", dtv, € 7,90


Ach, man muß an das Leben glauben um glücklich zu sein.

Theodor Fontane hat das geschrieben, mit Blick auf den nächsten Aufenthalt im ungeliebten Berlin. Allerdings, und damit sind wir bei einem der beiden Nachteile dieses Buches, leider ist dem Anhang nicht zu entnehmen, wann und an wen.
Und trotzdem möchten wir Ihnen „100 x Glück" gern ans Herz legen, denn es ist eines von diesen besonders gelungenen Geschenkbüchern, die man am liebsten selbst behalten möchte. Die einhundert Miniaturen ganz unterschiedlicher Autoren über das Glück – Gedichte, Sprichworte, Kurzgeschichten und Romanauszüge – sind heiter, hintergründig, manchmal literarisch, dabei jedoch nie zuckersüß. Obwohl das Thema dies ja nahelegt. Den zweiten Nachteil, das fehlende Inhaltsverzeichnis, könnte der geneigte Leser übrigens auch zum planlos-freudigen Entdecken toller Texte nutzen.

„100 x Glück", Verlag rütten & loening, € 9,99



Biografische Skizzen.

Er betrachtet sich als Beobachter: der aktuelle Büchnerpreisträger Friedrich Christian Delius. Denn irgendjemand muss das ja machen – beobachten und ohne Wertung aufschreiben. Sein neues Buch „Als die Bücher noch geholfen haben" geht mit diesen Beobachtungen zurück in die sechziger Jahre, mitten hinein in den politischen und soziologischen Umbruch. Und mitten hinein in die Gruppe 47, jene lose Gruppe von Schriftstellern, die sich von 1947 bis 1967 traf, um sich gegenseitig zu unterstützen, zu kritisieren und zu motivieren. Das allein wäre ja schon lesenswert, wenn man sich für Geschichte und / oder Literatur interessiert. Delius Art zu Schreiben, sein feiner Stil, seine Sprachsicherheit sind dann ein weiterer gewichtiger Grund, sich intensiv mit diesen biografischen Skizzen zu beschäftigen. Für alle, die noch weiter überzeugt werden müssen: im Anhang ist die „Dankrede auf Büchner" abgedruckt – und diese ist hier im Ried geradezu Pflicht!

Friedrich Christian Delius: „Als die Bücher noch geholfen haben.", Rowohlt Verlag, € 18,95  


Die Stimmen der Liebe.

„Das Pfauenauge tanzt von Blume zu Blume. Die Weinbergschnecke braucht eine Woche von der Rose zur Narzisse. Deine Liebe ist die Liebe des Pfauenauges, meine ist die Liebe der Weinbergschnecke." Aus China: `Vier Liebesvariationen´
Man sagt, die Sprache der Liebe werde überall verstanden. Wenn man sich die von Erich Renner gesammelten Gedichte und Geschichten aus aller Welt durchliest, kann man dem nur zustimmen. Und zugleich will man es vehement verneinen: denn die Bilder, die die unterschiedlichen Kulturen für Liebe und Sehnsucht finden, sind sehr ähnlich, doch wie die Menschen der verschiedenen Erdteile damit umgehen, ist überall anders. Das zu lesen ist hochinteressant.

Erich Renner: „Liebesleute.", Peter Hammer Verlag, € 19,90


Ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis.

Der Pulitzerpreis gilt als der Oscar der Literaturszene und wird seit fast hundert Jahren vergeben, unter den Preisträgern finden sich so bekannte Namen wie Philip Roth, Toni Morisson oder Ernest Hemingway – und seit 2010 auch Paul Harding, der gleich mit seinem Erstling den renommierten Preis gewonnen hat: George Washington Crosby liegt, umgeben von seiner Familie, im Sterben. Seine letzten Tage sind geprägt von Halluzinationen und Erinnerungen: an seine Kindheit in Maine, seinen Vater Howard, der als Tinker, also Kesselflicker und fahrender Händler durch die teilweise noch unberührte Natur zog. An die Mutter, die durch Strenge versucht ihre Liebe zu beweisen und ein einziges Mal zu spät den bevorstehenden epileptischen Anfall ihres Mannes erkennt. Und an sein späteres Leben als Familienvater und Lehrer.
Aus verschiedenen Blickwinkeln und auf mehreren zeitlichen Ebenen erzählt Harding die Geschichte der Familie Crosby und anhand dieser von den großen Veränderungen des Alltags innerhalb des letzten Jahrhunderts. Dabei bedient er sich einer Sprache, die (wie auch immer sie das vermag) oft direkt zum Gefühl wird. Großartig.

Paul Harding: „Tinkers.", Luchterhand Verlag, € 19,99




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