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Lieblinge

Unsere Urlaubtipps in 2016:





Ralf Schwobs Bücher:

 

Voll aus dem Leben gegriffen

Das Autoren Duo Krohn und Sieg hat deutsche Dialoge mitgehört: Im Bus, im Bäckerladen, in der Sauna usw. Quer durch alle Altersklassen und soziale Milieus hindurch gibt es Witziges, Schräges und Merkwürdiges mitanzuhören. Da äußern sich Pazifisten, dass sie alle Befürworter der Todesstrafe am liebsten erschießen würden, oder Väter versuchen, ihrem Nachwuchs den Unterschied zwischen den politischen Parteien zu erklären, obwohl sie selbst gar keinen mehr erkennen können. Viele der zumeist kleinen Gesprächsfetzen (der kürzeste umfasst nur drei Zeilen, der längste knapp drei Seiten) enden mit einer richtigen Pointe, was doch recht überraschend ist, wenn man bedenkt, dass es sich ja um reale spontane Dialoge aus dem Alltag handelt. Kein Komiker hat sich hier etwas ausgedacht und niemand Regie geführt, und genau das macht den Reiz dieser Sammlung aus, die auch wunderbar zum Zwischendurchlesen geeignet ist.  

Axel Krohn / Sören Sieg: „Ich bin eine Dame, Sie Arschloch!“,
Ullstein Verlag, € 8,99, eBook € 7,99

 
Ziemlich merkwürdige Freunde

Werbetexter Asger wird nach einer missglückten Kampagne gefeuert und muss sein Geld fortan als Aushilfspfleger verdienen, weil sein Ruf in der Werbebranche ruiniert ist. So lernt er den mehrfach schwerstbehinderten Rollstuhlfahrer Waldemar kennen, der im Kopenhagener Problemviertel Stentofte lebt. Waldemar weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat und setzt deshalb seine Hoffnung auf einen afrikanischen Wunderheiler, der irgendwo in der marokkanischen Wüste sitzt und Todgeweihte aller Länder von ihren Leiden erlöst. Asger muss einen Reiseantrag bei der Gemeinde stellen und die finanzieren den beiden tatsächlich einen alten VW-Bus, mit dem sie sich auf eine abenteuerliche Reise durch Europa und Nordafrika machen. Verfolgt werden die beiden dabei von einem unheimlichen schwarzen Audi …
„Der Tod fährt Audi“ ist ein schräger Roman über zwei Außenseiter, die dem Leben und dem Tod mit allem, was sie haben, die Stirn bieten. Auf ihrer merkwürdigen Reise erleben sie Momente von poetischer Schönheit, treffen auf schräge Typen und müssen sich gegen so manchen Feind erwehren. Ein Roman, der Spaß macht und gleichzeitig nachdenklich stimmt.          

Kristian Bang Foss: „Der Tod fährt Audi“, Btb, € 9,99, eBook € 8,99

 
Thriller mit starken Figuren und vielen Wendungen

In Wien ermittelt Staatsanwältin Melanie Dietz im Fall eines vermissten Mädchens, das nach einem Jahr wieder auftaucht und kein Wort spricht. Jemand hat ihr den gesamten Rücken mit Szenen aus Dantes Inferno tätowiert. Mit viel Geduld und einem Therapiehund findet Dietz schließlich Zugang zu dem Mädchen und was sie sagt, legt nahe, dass noch mehr Kinder in der Hand des Psychopathen sind. Zeitgleich beginnt Kripobeamtin Sabine Nemez ihre Ausbildung zur Fallanalytikerin beim BKA in Wiesbaden. Ihr Lehrer, der geniale aber arrogante Maarten S. Sneijder schont seine Schüler nicht und hält nicht viel von ihren Fähigkeiten. Bis zu dem Zeitpunkt als Sabine Gemeinsamkeiten zwischen einigen ungeklärten Mordfällen entdeckt, deren Spuren alle nach Wien führen …
Das Figurengespann Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder gepaart mit der selbstbewussten Wiener Staatsanwältin Melanie Dietz hat einen hohen Unterhaltungswert. Hinzu kommen ein starkes Plot und Szenen, die auch dem Thriller-erprobten Leser eine Gänsehaut auf den Rücken jagen. Sehr spannend und temporeich mit vielen Überraschungen und einem heftigen Finale.      

Andreas Gruber: „Todesurteil“,
Goldmann Verlag, € 9,99, eBook € 8,99, Hörbuch € 12,99

Karin Schmidts Bücher:


 
Aberglaube?

Im Freisinger Moos wird eine verkohlte Leiche auf einem für das Osterfeuer aufgerichteten Holzstapel entdeckt, sie trägt ein auffallendes Amulett. Es ist Eva Nell, eine ältere Frau aus München, deshalb fordert die Kripo Erding auch von dort Unterstützung an. Unwillig machen sich die vier Kommissare auf den Weg. Die Stimmung zwischen den beiden Teams ist übel und die Ermittlungen gehen nur sehr schleppend voran, obwohl die recht schrulligen, im Privatleben teilweise arg gebeutelten Beamten auf ganz eigensinnige Weise ihr Bestes geben.
Nicole Neubauer lässt die Leser ihres zweiten vielschichtigen (fast unglaublichen) Kriminalromas schon mal ins Grübeln kommen: Scheiterhaufen, Hexenbanner und ein uraltes, grollendes Haus, in dem es spukt – nein, wir sind doch im 21. Jahrhundert!

Nicole Neubauer: „Moorfeuer“,
Blanvalet Verlag, € 9,99, eBook € 8,99, Hörbuch € 14,99


Absolut nicht 08/15

Eine verwitwete Bibliothekarin hört ihre biologische Uhr laut ticken und ein begeisterter Landwirt wünscht sich eine tüchtige Frau für den Hof und auch für’s Herz. Ausgerechnet auf dem Friedhof funkt es: die kulturliebende Desirée und der handfeste Benny finden zueinander.
Kummer, Komik, 24! Kühe, Traktoren, Trauer, jede Woche die Tierärztin. Verblüffte Freunde und ein (einziger) Opernbesuch – ungebremst prallen hier zwei völlig unterschiedliche Lebenswelten aufeinander. Und nach ein paar leidenschaftlichen Wochen erwacht das Paar aus seinen Träumen …
Klug und charmant, mit Feingefühl und trockenem Humor erzählt die schwedische Autorin Katarina Mazetti von einer ganz und gar unmöglichen Liebe.

Katarina Mazetti: „Der Kerl vom Land“, Piper Verlag, € 9,99, eBook € 4,99

Haitabu 1044

Der Umschlagplatz an der Ostsee ist ein Schmelzofen der Kulturen und Religionen, dort führt Sigmund erfolgreich seine Handelsgeschäfte. Seine vierzehnjährige Tochter Ingunn, das einzige überlebende Kind, ist spontan und klug und dem jungen Krieger Torge, der in England kämpft, versprochen. Sigmund traut weder dem neuen König noch dem jungen Mann – und so bildet er seine Tochter zur Fernhändlerin und Nachfolgerin aus.
Mal mit mehr, mal mit weniger Glück erlebt Ingunns Familie diese unruhige Zeit: Überfälle der Norweger, Pest, Intrigen und die Christianisierung des Nordens.
Martha Sophie Marcus präsentiert mit dieser fesselnden Geschichte ganz ausgezeichnete Unterhaltung, sie bietet Spannung, viele Abenteuer, authentische Charaktere, eine Liebesgeschichte und ganz viel Interessantes aus der vergehenden Welt der Wikinger.

Martha Sophie Marcus: „Herrin des Nordens“,
Goldmann Verlag, € 9,99, eBook € 9,99


Die Empfehlungen von Lucia Bornhofen:

 

Fernweh inklusive!

Oliver Lück ist Journalist und Reisender. Allerdings sind Landschaften und Sehenswürdigkeiten eher Nebensache - in erster Linie möchte er Menschen kennenlernen, er möchte ihre Art zu leben verstehen, die manchmal witzigen, manchmal dramatischen Geschichten hinter den Gesichtern entdecken und aufschreiben.
Bei einer dieser Reisen im Jahr 2008 stand er unvermutet in einem Garten voller bunter Flaschenpost und skurriler Strandkunst, und natürlich kam er mit der Anwohnerin ins Gespräch. Dabei erfuhr er, dass Flaschenpost, anders als der Wunschzettel an den Weihnachtsmann, nicht nur von Kindern verfasst wird, sondern Großteils von Erwachsenen aus den unterschiedlichsten Gründen. Von da an sammelte er „Flaschenpostgeschichten“; daraus entstand ein Buch voller Begegnungen: da sind Biruta Kerve, die Gartenkünstlerin, und Thomas Masloboy, der Vielversender. Dort sind Mogens Christensen, einer der Strandvögte auf Bornholm, und Kristofer Flensmarck, der Autor. Der Leser lernt noch viele andere Schreiber und Finder kennen, und daneben gibt es die vielen kleinen und großen Aha-Erlebnisse, die ein gutes Sachbuch zur lohnenswerten Lektüre machen. Und eine solche ist „Flaschenpostgeschichten – Von Menschen, ihren Briefen und der Ostsee“ in jedem Fall!

Oliver Lück: „Flaschenpostgeschichten“, Rowohlt Verlag, € 9,99 , eBook € 9,99

 
Viktorianische Krimi-Kost

Archibald Horne ist Goldschmied in einer kleinen Werkstatt – vor allem aber fühlt er sich an diesem Morgen sehr schlecht und betritt darum völlig abgehetzt mit einer halben Stunde Verspätung den Verkaufsraum von Greenland, Grand & Wigfield. Zu seiner Verblüffung ist die Ladenbeleuchtung noch nicht an und die anwesende ältere Stammkundin wartet nach ihrer Aussage schon eine halbe Stunde auf Bedienung. Nach kurzer Suche findet Horne seinen Chef, Juwelier Wigfield, in der hinteren Werkstatt. Tot. Der ermittelnde Inspector Swanson von New Scotland Yard hat bald noch mehr Mordfälle zu lösen, alle weisen Ähnlichkeiten zum Fall Wigfield auf.
Der Autor Robert C. Marley ist ziemlich kreativ, was die beschriebenen Mordarten angeht – Wigfield zum Beispiel starb an flüssigem Gold, das ihm der Mörder in den Rachen goss – und, auch wenn er nicht bis ins Detail geht, er schont uns Leser in dieser Hinsicht nicht. Vor allem aber steckt dieser hinreißende Kriminalroman voller Überraschungen: Einen Teil der Kriminalfälle und besagten Inspector Swanson gab es wirklich, und darüber hinaus sind auch andere historische Persönlichkeiten in die Geschichte hineinverwoben. Außerdem gibt es reichlich Augenzwinkern, ohne dass Spannung oder auch der logische Ablauf der Handlung leiden. Für mich sind die bisher erschienen drei Bände eine echte Entdeckung!

Robert C. Marley: „Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten“,
Dryas Verlag, € 10,50, eBook € 6,99

 
Rettet die Post

Porvenir ist ein 1000-Seelen-Dorf in Spanien, es hat schöne, alte Steinhäuser, eine wohlsortierte Bücherei und eine im Winter menschenleere Feriensiedlung. Und es hat ein Postamt, dessen Verwaltung der Briefträgerin Sara obliegt. Nun hat Sara eine E-Mail bekommen – es gäbe in ihrem Dorf nicht genug Post und somit würde das Postamt aufgelöst und sie ins ferne Madrid versetzt. Ihre Nachbarin und älteste Freundin Rosa (sie hat Sara wortwörtlich auf die Welt geholfen) kommt auf die Idee, mit Hilfe einer Briefkette das Postamt und damit Sara zu retten. Sie macht selbst den Anfang und dann wechseln über mehrere Wochen hinweg die unterschiedlichsten Briefe den Besitzer. Immer mit der Bitte, die Kette nicht abreißen zu lassen und immer mit der Vereinbarung, dass das Geschriebene ein Geheimnis zwischen Schreiber und Leser bleibt.
Die spanische Autorin Àngeles Donate schreibt so anschaulich, dass wir Leser ganz dicht bei allen Figuren sind, egal ob das Rosa ist, die nach 60 Jahren endlich mit ihrer Jugendfreundin ins Reine kommen will, oder Alma, die ein altes Steinhaus geerbt hat und einfach gerade nicht weiß, wie es weitergehen soll.

Oder Alex, der wegen der Betreuung seines an Alzheimer erkrankten Vaters eigentlich nur wenig eigenes Leben hat. Das ist schön zu lesen, gerade weil es menschlich und manchmal dramatisch aber niemals kitschig ist. So einen wunderbaren Roman haben Sie lange nicht genossen!

Ángeles Donate: „Der schönste Grund, Briefe zu schreiben“, Thiele Verlag, HC € 20,00

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