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und das gab es auch noch



Stadtrundgänge







demnächst mehr unter gernsheimer-stadtrundgang.de

Neben unseren vielfältigen Aktivitäten ergeben sich hier und da doch noch ganz andere spannende und lohnenswerte Geschichten.

Wie zum Beispiel unsere in 2009 aufgelegten Stadtrundgänge - unser, das heißt in diesem Fall Hans-Josef Becker und Lucia Bornhofen. Herr Becker ist neben seiner seit vielen Jahren ausgeführten Pressetätigkeit und "Stadtschreiber" auch Schriftleiter des 2006 erschienenen Buches "Heimat am Strom - Lesebuch Gernsheim". Weitere Rundgänge sind in erfolgt und in Planung!

2011


Tränen kullern am Deutschen Haus
Rundgang – Bei der historischen Kneipentour durch die Gernsheimer Innenstadt  werden allerlei Anekdoten erzählt

GERNSHEIM. Fürst Alexander von Bulgarien, Vico Torriani, die Musiker von „Fats and his Cats", Kai-Uwe von Hassel, Richard  von Weizsäcker, Hanna Renate Laurien: Was verbindet diese Persönlichkeiten, fragte Hans-Josef Becker in die Runde und gab auch gleich die Antwort. Alle zählten zur illustren Gästeschar der Gaststätte „Deutsches Haus". Bewirtet wurden  sie von Georg Heinrich Haas und seiner Frau Marianne.

Bei einem Rundgang durch die Gernsheimer Gastronomiegeschichte machten Becker und Lucia Bornhofen auch dort Halt, wo bis Ende 1994 der Haase-Schorsch, wie das 1995 verstorbene Gernsheimer Original genannt wurde, seine Gaststätte betrieb. Es war der  emotionale Höhepunkt der Veranstaltung auf Einladung der Wirtschafts und Verkehrsvereinigung.

Denn kaum waren die Rundgänger an dem Haus in der Zwingenberger Straße angekommen, öffnete sich das Tor und  Marianne Haas trat heraus. Tränen kullerten an ihren Wangen herab, als Becker aus der Silvesterausgabe 1994 der Heimat-Zeitung (heute Groß-Gerauer Echo/Riedecho) zitierte: „Es ist schwer, an das Ende einer Legende zu glauben", hieß es  da zur schweren Entscheidung der Familie Haas, das „Deutsche Haus" nach 116 Jahren zu schließen.


1878 am Wald gebaut, als dort noch nicht die Bahntrasse vorbei führte, wurde die Gaststätte 1897 um einen (vor  21 Jahren abgerissenen) Saalbau und einen Biergarten erweitert. Georg Heinrich Haas, am 27. Juli 1945 in einer Totenmesse schon als im Krieg gefallen gemeldet, übernahm 1953 die Leitung. Fortan führte er das Lokal, dem von 1905 bis 1961 auch ein Hotelbetrieb angeschlossen war, als „freischaffender Künstler", wie sich der dichterisch begabte Haas laut Becker selbst verstand.

Die gut 60 bis 80 Zuhörer – nicht alle gingen bis zum Schluss mit –machten auf dem Rundgang noch mit weiteren Gernsheimer Lokalberühmheiten Bekanntschaft. Mit dem „Kronewertsvetter" beispielsweise: Lucia Bornhofen trug die Geschichte  vor, die zurück ins ausgehende 19. Jahrhundert und beginnende 20. Jahrhundert führte. Der Text des Domkapitulars Georg Lenhardt, der seine Kindheit in Gernsheim verbrachte, porträtiert den damaligen Wirt des Gasthauses „Zur Krone" gegenüber  dem Stadthaus: Ein älterer Herr aus der Familie Kindhäuser, der seine Gäste mit „Vetter" anzureden pflegte, wie Lenhardt schreibt. Und deshalb sei er auch selbst von jedermann Vetter gerufen worden – nur dass die Leute ihn zur Unterscheidung  eben „Kronewertsvetter" genannt hätten. Erbaut worden ist die „Krone" laut Bornhofen wahrscheinlich gegen Ende des 17. Jahrhunderts.

Beim Esselbach in der Einsiedlerstraße 11 wurde der Wirt in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, wie Lucia Bornhofen berichtet, „Essig" gerufen: Ob dies eine Abkürzung des Namens besagten Valentin Esselbach gewesen  sei oder an seinem immer griesgrämigen Gesichtsausdruck, vielleicht auch an seinem„ wenig genießbaren Wein" gelegen habe: „Wir wissen es nicht." Im großen Saal von Esselbach wurde 1951 Georg Schäfer vom Stadtparlament zum Gernsheimer Bürgermeister gewählt, so Becker. Dieser Saal sei für  400 Besucher ausgelegt gewesen, doch an Fastnachtstagen hätten sich dort bis zu 1200 Gäste gedrängt.

Auch von Johannes Büchler war die Rede. Jenem Mann, der 1925 eine Bäckerei mit Kolonialwarenladen sowie Gastwirtschaft  mit Fremdenzimmern übernahm. Nach seiner Herkunft habe er die Gaststätte „Badischer Hof" genannt. Für die Konzession habe er damals, zur Zeit der galoppierenden Inflation, eine Gebühr von 300 Billionen Mark gezahlt. Die Konzession sei  1954 auf den Sohn Gustav Büchler und dessen Frau Maria ausgestellt worden, die 1960 die Bäckerei, Anfang 1979 den Laden und im Dezember 1979 auch die Gastwirtschaft geschlossen hätten. Um das Andenken an die Büchlers zu wahren, sei das wenige  Jahre später neu eröffnete Lokal vom Pächter „Büchler-Eck" genannt worden. Die dokumentierte Gernsheimer Kneipengeschichte beginnt laut Becker mit der Herberge „Trierer Henn" (1471eröffnet), als weitere alte Gaststätten nannte er den „Guldenschwan" (1524), „Storcken" (1530), „Hirsch" (1622) und „Römer" (1693), zuvor „Deutscher Kaiser" genannt. Aus der Chronik des Stadtrats Michael Grüll gehe hervor, dass Gernsheim 1851 insgesamt  22 Wirtshäuser gehabt habe. Lucia Bornhofen und Hans-Josef Becker präsentierten bei ihrem Rundgang, der vom Duo „Biwesemer Stroßemussig" musikalisch begleitet wurde, nur einen kleinen Teil der Gernsheimer Gastwirtschaften – sie  versprachen aber, irgendwann zu einer weiteren historischen Kneipentour einzuladen. dirk

2010

Was nicht in den Geschichtsbüchern steht

Stadtrundgang: 150 Jahre Vergangenheit lassen zwei Gernsheimer bei einer Runde 
durch die Innenstadt auferstehen

GERNSHEIM.
»Heute sind es kalte Steine«, spielte Lucia Bornhofen auf die eisige Witterung an und veränderte damit das Motto des zweiten Stadtrundgangs »Von Gernsheimer Eulen und alten Steinen«. Zusammen mit Hans-Josef Becker hat sie Interessantes und Anekdotisches aus den Stadtarchiven ausgegraben.


Ihren Spaß an Heimat und Heimatgeschichte gaben die beiden Stadtführer gern an ihre rund 50 Zuhörer weiter. Und sie taten das zunächst an einem wärmenden Feuertopf mitten auf dem Weihnachtsmarkt. Becker begann mit einem Text des Lehrers Friedrich Mösinger. Der beschrieb bildhaft das eindrucksvolle Schauspiel mächtiger Eisschollen auf dem Rhein, das Hunderte von Schaulustige anlockte.

Nächste Station war der Fischerbrunnen in der Schafstraße. Dort wohnte früher die Totenfrau Weiß, und es gab einen nichtrauchenden Zigarrenhändler. Die alten Häuser mussten 2003 dem großzügigen Platz und dem Brunnen mit den drei Fischen weichen. Und Fische, so erklärten die beiden Stadtführer, waren lange Zeit wichtigste Erwerbsquelle der Bewohner. Noch 1649 war der Beruf des Fischers der am häufigsten ausgeübte in Gernsheim. Doch wegen der Phenolbelastung des Rheins in den siebziger Jahren konnten die Berufsfischer nicht mehr weiter machen, erinnerten sie ihre Zuhörer an die jüngste Vergangenheit.


Weiter ging es zur Synagoge, die am 11. Januar 1845 eingeweiht wurde. Bis zum Jahr 1938 lebten jüdische und christliche Bürger in Gernsheim einträchtig neben- und miteinander. Bis in der Reichsprogromnacht die große Vertreibung begann. Kurz zuvor hatte die jüdische Gemeinde ihre Synagoge der Milchgenossenschaft verkauft, wodurch das Gebäude knapp der Zerstörung entging.

Nach wenigen Schritten erreichte die Gruppe das alte Elektrizitätswerk. 1953 hatte das eindrucksvolle Gebäude aus Rentabilitätsgründen seine eigentliche Bestimmung verloren. Der Künstler Mario Derra hat es restauriert und in ein Industriemuseum umgewandelt. Darüber hinaus betreibt Derra dort sein Atelier. Direkt daneben befand sich früher das Volksbad. Heute unvorstellbar, dass viele Wohnungen noch vor 50 Jahren ohne Bad oder Dusche waren und die Bewohner zum Wochenende dort ihr Bad nahmen.


Auch wenn mancher Teilnehmer des Rundgangs mittlerweile gegen eine heißes Bad nichts einzuwenden gehabt hätte - Lucia Bornhofen und Hans-Josef Becker wussten auch Interessantes über die Geschichte der Schillerschule zu berichten. Diese wurde am 11. Dezember 1865 eröffnet. Sie entstand auf Initiative von Gernsheimer Bürgern, die ihren Kindern eine höhere Schulbildung zukommen lassen wollten. Wegen des guten Rufs der Schule stiegen die Schülerzahlen, und sie musste immer wieder erweitert werden. Es gab sogar eine Sternwarte, einen Musik- und einen Turnsaal. In dem Gebäude war nach dem Zweiten Weltkrieg eine Notkirche eingerichtet. Heute ist es eine Schule für Lernhilfe.

Die evangelische Kirche wurde am 22. Mai 1853 geweiht. Und der erste protestantische Pfarrer Staudinger musste sich im rundum katholischen Gernsheim noch Schmähungen auf der Straße anhören. »Und jetzt gehen wir dorthin, wo Katholiken und Protestanten gemeinsam liegen.« Mit diesen Worten führte Becker die Gruppe an den Friedhof. Der wurde 1679 eingeweiht. Die Michaelskapelle kam 1862 hinzu.

Ein bisschen gruselig war der detailgenaue Zeitungsbericht über den Mord an einem ehemaligen Gernsheimer Geistlichen. Oder war es doch nur die Kälte, die die Zuhörer erschauern ließ?

Zum Glück wartete der Weihnachtsmarkt mit heißen Getränken und Speisen. Und in der Neuzeit angekommen - nach einem Blick auf den Eulenbrunnen und die Stadthalle, 1997 erbaut - lockte dieser Markt am Ende mit seinem reichhaltigen Angebot.

2009


Schon früh Bedeutung als Zentrum


Stadtrundgang: Aktion „Tausend Meter Gernsheimer Geschichte(n)“ lockt fast 200 Zuhörer auf den Stadthausplatz

GERNSHEIM.
Kaum war die Aktion „Eine Million Sterne – damit Kinder leben“ (Bericht auf dieser Seite) auf dem Stadthausplatz zu Ende gegangen, fanden sich dort schon wieder fast 200 Menschen zusammen. Sie nahmen an dem historischen Stadtrundgang teil, zu dem die IG Innenstadt unter dem Motto „Gernsheim im Kerzenschein“ eingeladen hatte. Diese kaum erwartete Menge brachte die Stimmbänder der beiden Stadtführer Hans-Josef Becker und Lucia Bornhofen fast an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.


Dass Gernsheim schon „früh die Bedeutung eines Mittelzentrums hatte“, verpackte der Schriftleiter des Gernsheim-Buches „Heimat am Strom“, Hans-Josef Becker, dabei augenzwinkernd in seine Ausführungen. Weiter ging es zum Rosengarten – früher von der Bevölkerung der Rossgarten oder das Pestillenzeck genannt – an dem heute die Pestsäule von 1676 steht. Sie ist eine Stiftung der Brüder Cüntzer, die Speichermeister des Bistums Mainz in Gernsheim waren. „Sie waren im heutigen Sinne Vermögensverwalter, aber sie waren auch Kunstfreunde und haben Gernsheim nicht nur die Pestsäule geschenkt, sondern auch die Kreuzigungsgruppe, die heute am Friedhof steht, die Mariensäule (heute Museum) und das Relief an ihrer Faktorei (Haus Dorflein am Schöfferplatz).

Nur wenige Meter weiter am Brentanobrunnen berichtete Becker von anderen betuchten Gernsheimer Bürgern, der Familie Brentano, die ursprünglich vom Comer See stammte. Direkt daneben am Säulenstumpf galt es einen zeitgeschichtlichen Sprung in die Römerzeit zu machen. Viele Funde aus der Römerzeit belegten die frühe Bedeutung Gernsheims, das bereits zu Zeiten von Tiberius (14 bis 37 nach Christus) ein Siedlungsschwerpunkt gewesen zu sein scheint.

Im Schatten der alten Realschule erfuhren die Teilnehmer, dass die Stadt bis 1970 Träger der örtlichen Schulen war. Lucia Bornhofen belegte anhand eines Ratsprotokolls von 1777 das dürftige Einkommen eines Schulrektors in Form von Klaftern Brennholz und ähnlichem mit dem schmunzelnden Verweis darauf, dass Lehrer sein wohl nach wie vor eine „brotlose Kunst sei“.

Von der alten Realschule zogen die Stadtrundgänger weiter zum ehemaligen Rheinkino. Drei Kinos bot Gernsheim nach dem Krieg und eine Liste von 1900 führte bei rund 4000 Einwohnern 50 Gaststätten auf, berichte Becker an dieser Stelle. Der Blick schweifte dabei natürlich auf eine besonders geschichtsträchtige Wirtschaft in der Nachbarschaft: den „Karpfen“. Der ist sowohl Geburtshaus des Komponisten und Verlegers Josephus Schmitt als auch Geburtsstätte des Rheinischen Fischerfests.

Darüber hinaus war hier nicht nur etwas über die größte hessische Aalschokkerflotte zu erfahren, die in Gernsheim vor Anker lag, sondern über das Treffen der Deutsch-Katholiken, die 1848 an diesem Ort aufklärerisches Gedankengut verfolgten. Lucia Bornhofen las hierzu eine erfundene Geschichte Beckers vor, die er dem Stadtrat Michael Grüll, der von den Berichten des Hambacher Festes infiziert war, auf den Leib gedichtet hatte.

Am Schöfferplatz wiesen die Stadtführer ihr Publikum auf das Gesamtensemble mit dem großen Fachwerkgebäude und der Sonnenuhr hin, und natürlich auf das von Johann Baptist Scholl gestaltete Denkmal des großen Sohns der Stadt, Peter Schöffer: „Ein Jahr bevor Gutenberg ein öffentliches Denkmal gesetzt wurde“, und finanziert von den Bürgern Ger nsheims, die die Errichtung durch Spenden möglich gemacht hatten.

Weiter ging es zu Gernsheims „barocker Schönheit“, der Pfarrkirche St. Maria Magdalena „mitten in Gernsheims altem Herzen“. Dort endete die knapp einstündige Führung, die mit Sicherheit nicht die letzte dieser Art gewesen sein dürfte, wie die Initiatoren versicherten. Anschließend bestand für die Teilnehmer die Gelegenheit, im Kerzenschein bis 22 Uhr durch die Geschäfte der Innenstadt zu bummeln.



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