Sachbuch 2012 - Buchhandlung und Verlag Bornhofen - Gernsheim

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Sachbuch 2012

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Unsere Sachbuch-Empfehlungen in 2012:



Erhellend.

Modell und Muse – das ist der Part, den Frauen in der Kunst quer durch die Jahrhunderte zumeist einnahmen. Erst seit dem ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert gibt es gleichviel Kunststudentinnen wie Kunststudenten, bis dahin hatten Künstlerinnen einen schweren Stand. Meist konnten sie ihrer Leidenschaft überhaupt nur nachgehen, wenn sie von ihren Väter, Brüdern oder anderen Verwandten unterrichtet wurden, oft haben sie auch deren Atelier mitbenutzt, weil es keine andere Möglichkeit gab.
Debra N. Mancoff ist Dozentin am Art Institute of Chicago und hat bereits mehrere Bücher über Kunst und Mode veröffentlicht. In ihrem neuesten  Bildband stellt sie in sechs Kapiteln über 60 Künstlerinnen und ihre hervorragenden Kunstwerke vor – und das ist hochgradig interessant.

Debra N. Mancoff: „Frauen, die die Kunst veränderten." Prestel Verlag, € 24,95


Eine lebenslange Freundschaft.

Marthe und Mathilde lernten sich 1908 kennen, die beiden waren sechs Jahre alt, als Mathildes Familie in Marthes Elternhaus in Colmar einzog. Ab da haben sie ihr ganzes Leben miteinander verbracht und wurden nicht erst durch die Hochzeit ihrer Kinder unzertrennlich. Sie hatten immer etwas zu erzählen – von Alltäglichem, gemeinsamen Bekannten und der Familie, aber auch über Politik und ihr Leben im Elsass, das allein im letzten Jahrhundert viermal die Zugehörigkeit zu Deutschland und Frankreich wechselte. Denn bei allen Gemeinsamkeiten unterschied sie genau dies: die eine war in Colmar geborene Elsäßerin, die andere eine dorthin übersiedelte Deutsche.
Pascale Hugues, französische Journalistin und Autorin mit Wohnort Berlin, hat ihren beiden Großmüttern Marthe und Mathilde ein Denkmal gesetzt, in einem Stil, als würden die beiden alten Damen sehr detailreich und recht unstrukturiert aus ihrem Leben erzählen. Genau das macht das Buch, das eigentlich ein Sachbuch ist, so charmant und berührend.
Pascale Hugues: „Marthe & Mathilde",
Sonderausgabe Rowohlt-Verlag, € 10, eBook 8,99



Die Macht und Magie der Bücher.

Bereits seit rund 5000 Jahren verwenden die Menschen Schriftzeichen, um wichtige Daten, Erzählungen oder auch Verträge festzuhalten, Funde aus dem heutigen Südirak belegen dieses Datum. Mit diesen Schriftzeichen beginnt das vorliegende Buch – um auf den nächsten rund 200 Seiten sämtliche Aspekte des Themas Buch zu beleuchten. Dabei beschränkt es sich ganz bewusst weder auf einen bestimmten Kulturraum noch auf die rein technische Entwicklung; sein Rahmen ist vielmehr der zeitliche Ablauf.
Sein Autor Martyn Lyons ist Professor in Sydney und weltweit anerkannter Experte für die Geschichte des Buches. Fast wichtiger ist allerdings: Marty Lyons kann dieses Wissen auch vermitteln, sowohl in seinen Vorlesungen als auch in Schriftform. Und er versteht es, sein Fachwissen mit den richtigen Bildern zu ergänzen - es ist, egal welche Seite man aufblättert, immer eine große Freude, in diesem Buch zu schmökern.

Martyn Lyons: „Das Buch. Eine illustrierte Geschichte.", Gerstenberg Verlag, € 29,95



Entsetzliche Vergangenheit.

Es war ein Zufallsfund, den die Handwerker im August 1986 bei Sanierungsarbeiten in der Frankfurter Liebigstraße machten: hinter der Heizungsverkleidung kamen Dokumente zum Vorschein und nur der schnellen Reaktion der Wohnungsinhaberin Inge Geiler, die die Bauarbeiten sofort stoppte, ist es zu verdanken, dass es diese Dokumente noch gibt. Erst die „Stolpersteine", mit denen auf Menschen aufmerksam gemacht wird, die während der NS-Zeit verschleppt wurden, sorgten zwanzig Jahre später dafür, dass sie sich den Fundstücken widmete. Mit aller Sorgfalt sichtete sie die Zeitungsartikel, Postkarten, kleinen Notizen und Briefe, sie recherchierte über das jüdische Leben in Deutschland und speziell im Frankfurter Westend, sie erforschte die Familiengeschichte von Meier und Elise Grünbaum - das ältere Ehepaar hatte die Dokumente versteckt. Inge Geiler hat nun aus allem ein einzigartiges und zutiefst bewegendes Buch gemacht, dass zu lesen wir wirklich jedem empfehlen!

Inge Geiler: „Wie ein Schatten sind unsere Tage.", Schöffling & Co. € 28,95  


Mit Leidenschaft.

„Ich verstehe Essen als ein positives Erlebnis der Sinne …" so beginnt der Klappentext dieses Backbuches, geschrieben von Isidora Popovic, besser bekannt als Popina. Denn unter diesem Namen backt und vertreibt sie in England auf besonderen Märkten und in den besten Kaufhäusern ihre Leckereien, die noch immer in Handarbeit hergestellt sind. Wie sehr Popina das Backen liebt, ist den einzelnen Rezepten zu entnehmen: da werden nicht nur die gut ausgewählte Zutaten genannt und der genaue Ablauf beschrieben, es gibt immer noch mindestens einen ihrer wunderbaren Tipps zu handelsüblichen Zutaten oder Backkunst dazu. Da bekommt man schon beim einfachen Blättern Backlust – oder Hunger. Beispiele gefällig? Polenta-Biscotti mit Kirschen und Nüssen, Apfel-Pflaumen-Tarte, Schokoladentrüffel-Brownies oder auch Spinat-Chili-Stangen. Hhhmmmm.

Isidora Popovic: „Backen mit Leidenschaft.", Bassermann Verlag, € 16,99    


Autorenlesung I.

Sabine Bode, Jahrgang 1947, ist Journalistin und Buchautorin. Auf Grund persönlicher Erlebnisse hat sie sich besonders dem Thema „Deutsche Vergangenheit und ihre Folgen" verschrieben, im Hinblick auf die Traumatisierungen der Menschen durch das Kriegsgeschehen. Dabei liegt es ihr völlig fern, die Nazi- und Täter-Vergangenheit herunter zu spielen oder gar zu verleugnen. Sie beschreibt vielmehr, dass die Traumatisierungen durch Bombenbeschuss oder Vertreibung noch heute ihre Auswirkungen im täglichen Leben derjenigen haben, die während des zweiten Weltkrieges Kinder waren. Ihr Buch, aus dem sie Ende August hier in Gernsheim las und über das sie referierte, ist eine klug kommentierte Zusammenstellung von Lebensgeschichten persönlich Betroffener – und das ist hochinteressant auch für die Generationen danach.

Sabine Bode: „Die vergessene Generation.", Piper Verlag, € 9,99


Das Leben der Marilyn …

Man hört oder liest ihren Namen und schon hat man den Filmstar vor Augen, die schöne, quirlige, manchmal ein wenig naiv daher kommende junge Frau - tatsächlich war Marilyn Monroe sehr viel mehr als das. Das nun im Taschenbuch vorliegende „Tapfer lieben" zeigt das eindrucksvoll anhand ihrer Tagebuchnotizen und ihrer Lyrik, ergänzt durch Fotos und wenige Kommentare ihrer Freunde. Dabei ist das Buch einem Zufall zu verdanken: Anne Strassberg, die Ehefrau des begnadeten Schauspiellehrers Lee Strassberg, der mit MM intensiv befreundet war, fand 2007 zwei Kartons mit den Originalunterlagen. Soweit es ging chronologisch geordnet, und zum Teil sehr vorsichtig ergänzt, bilden sie die Grundlage für das persönlichste Buch, das es über die Filmikone geben kann.
Ihre Worte sind eine passende Überschrift über ein Leben, dass gleichermaßen hochglamourös und zwiespältig war: „Jedermanns Kindheit spielt sich ab; kein Wunder, dass nie einer den anderen kennt oder ganz verstehen kann (…) Ich denke, tapfer lieben ist das Beste und akzeptieren – so viel man ertragen kann" (S. 155).

Marilyn Monroe: „Tapfer lieben", Fischer Taschenbuch, € 12,99


Hilfestellung…

Gut informiert zu sein, ist eine der Grundvoraussetzungen im heutigen Alltag – nicht nur um den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden, sondern auch für banale Dinge, wie zum Beispiel die Urlaubsplanung. Doch die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung sind gleichermaßen vielfältig wie unübersichtlich. Für Hilfestellung bei der Sichtung der Flut sorgt das gerade erschienene Taschenbuch "Was wir heute wissen müssen": die 23 Essays in vier Kapiteln liefern Fakten, oft gepaart mit philosophischen Betrachtungen, sie sind manchmal in eine kleine Geschichte eingebunden und gut verständlich. Allerdings: denken muss man dann schon selbst.

Mohr / Pötzl / Saltzwedel: „Was wir heute wissen müssen.", Goldmann Verlag, € 8,99



Witzig und informativ.

Wussten Sie, dass Regenschirme noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts als unmoralisch galten, weil sie sich Gottes Regen in den Weg stellten? Oder, dass das Glas schon seit zweitausend Jahren mit der nahezu gleichen Technik in Form geblasen wird? Vielleicht aber, dass die ersten Sonnenbrillen aus Walrossstoßzähnen hergestellt wurden?
„99 Erfindungen für Eilige" erklärt das und noch 96 andere Dinge dazu. Dabei ist das Buch eher kein Nachschlagewerk, vielmehr wirkt es wie ein Comic. Dazu kommen Sachinformationen – und das ist eine schöne, interessante Idee. Noch dazu ist sie wirklich klasse umgesetzt und somit auch (aber nicht nur) für diejenigen gut geeignet, die nicht so gerne und so gut lesen. Egal ob jugendlich oder erwachsen.

Fredrik Colting / Marja Nyberg: „99 Erfindungen für Eilige.", Knaur Verlag, € 8,99



Eine Anleitung zum Verrücktbleiben – ohne verrückt zu werden.

„Die Existenzialisten hatten recht: Man definiert sich durch die Entscheidungen, die man trifft. Rudolf Nurejew, der berühmte russische Tänzer, war vermutlich mit dem Gesetz der Schwerkraft vertraut. Er hat dennoch versucht, sie aufzuheben. Er kam dem Fliegen sehr nahe. Aber man muss immer mit Rückschlägen rechnen (Ikarus)."

Ganz selten greifen wir bei unseren Buchbesprechungen auf fremde Texte zurück; Bücher bringen nun mal in jedem ganz andere Seiten zum Klingen, und das lässt sich nur mit den eigenen Worten ausdrücken. Der obige Abschnitt ist (trotzdem) eine Originalpassage (`Selbst denken´, Seite 14) aus Else Buschheuers „Verrückt bleiben", denn er definiert den Inhalt des ganzen Buches ausgesprochen treffend, eigentlich unveränderbar… Buschheuers Ansichten sind aufrüttelnd, ihre wohlformulierten Sätze eine Mischung aus persönlich Erlebtem und Bezügen zu Kunst und Literatur – insgesamt eine sehr anregende Lektüre.

Else Buschheuer: „Verrückt bleiben!", Aufbau Verlag, € 14,99


Hochinteressant.

Es sieht wunderschön aus und hat einen sehr einprägsamen Titel: „Gemeine Gewächse. Das A bis Z der Pflanzen, die morden, verstümmeln, berauschen und uns anderweitig ärgern.". Wer jetzt vermutet, es handle sich um fantastische Literatur, irrt: Amy Stewart bietet, klar strukturiert und sehr umfangreich, Fakten rund um Giftpflanzen. Ihre Mischung aus historischen Begebenheiten, landestypischen Beschreibungen und pflanzenkundlichen Details weckt dabei nicht nur bei botanisch Interessierten die Leselust; jeder, der seine Nase ganz gerne einmal in ein Sachbuch steckt, findet hier eine gelungene Kombination von Unterhaltung, Wissenswertem und wunderschönen Illustrationen. Alle anderen können sich ja an den Worten berauschen: Toxicodendren, Einhornpflanze oder Sandbüchsenbaum haben noch einige hübsche Namensvettern.

Amy Stewart: „Gemeine Gewächse.", Berliner Taschenbuch Verlag, € 11,95


Aus erster Hand.

Wie war das im kalten Krieg? Wer hat warum Politik gemacht, wie waren die Hintergründe? Und vorher, 1933, als die Nazis die Macht übernommen haben? Was damals passierte, beeinflusst noch heute unser Leben, auch wenn wir das nur in kleinem Umfang wahrnehmen, zum Beispiel im Verhältnis Bundesregierung zur Regierung Medwedew/Putin.
Egon Bahr und Peter Ensikat haben das alles hautnah miterlebt: der eine als Politiker der SPD, als Minister oder Regierungssprecher, und der andere als Drehbuchschreiber und Kabarettist in der DDR. Die nun in Buchform vorliegenden Gespräche der beiden über die Erlebnisse damals sind hochinteressant, sowohl für die dabei Gewesenen als auch für diejenigen, die es nicht selbst erlebt haben – dieses Buch lässt Geschichte lebendig werden!

Egon Bahr / Peter Ensikat: „Gedächtnislücken.", Aufbau Verlag, € 16,99


Warum?


Warum sammeln Anna Koch und Axel Lilienblum seit November 2009 skurrile oder verunglückte SMS? Die Antwort ist einfach und für manchen sicher unbefriedigend: es macht ihnen einfach Spaß. Und mittlerweile noch Hunderttausend anderen Menschen – sie alle lesen bzw. füllen die Internetseite SMSvonGesternNacht.de. Die besten Texte haben Koch und Lilienblum jetzt zum zweiten Mal veröffentlicht; nicht thematisch sondern nach Uhrzeit sortiert, finden sich hier ganze Gesprächszyklen, teils kryptisch, teils schräg, manchmal nicht ganz jugendfrei. Und sehr unterhaltsam…
Kostprobe gefällig? „10:33 Uhr Ich glaube, meine Berufschancen als Nonne stehen ziemlich schlecht…" „10:39 Ach so? Dann komm doch mal runter und erklär uns wieso. Dein Vater"

Anna Koch / Axel Lilienblum: „Ist meine Hose noch bei euch?" Rowohlt Verlag, € 8,99




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