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Lieblinge

noch ein Gedicht:


Kennt ihr das Fräulein Dienchen nicht…

Kennt ihr das Fräulein Dienchen nicht.
Sie hat ein Tobaksdosengesicht
So etwas wie ´ne Nase drinne
Und den Charakter einer Spinne.

Hat man mit dem Vergrößerungsglase
Endlich gefunden ihre Nase
So musst du Mikroskope brauchen
So findst du nie die Katzenaugen.

Ihr dickes Haar ist tölpisch aufgebaut
Doch niemand schimpfe ihre Haut
Sie ist so fein so zart so weiß
Als wie ein alter Hühnersteiß.

Ihr faltig Kleid von steifem Zeug
Hoch aufgepufft betrüget euch
Wo andre Fräuleins Berge haben
Kann hier kein matter Floh sich laben.

Schad´ dass ein Hügelchen den schönen Wuchs befleckt
Das erst vor kurzer Zeit ein Kenneraug´ entdeckt.
In ihrem magern Unterleib
Brummt oft ein Wind zum Zeitvertreib.

Clemens Wenzeslaus Brentano -
(
* 9. September 1778 in Ehrenbreitstein; † 28. Juli 1842 in Aschaffenburg) war einer der Hauptvertreter der sogenannten Heidelberger Romantik. Das Gedicht „Kennt ihr das Fräulein Dienchen nicht…“ ist untypisch für ihn – sein Werk ist christlich geprägt, zum Teil leider sogar antijudaistisch. Bekannt geworden ist er auch durch seine „Italienischen Märchen“, die ihm sicher auch wichtig waren, weil die Familie lombardischer Abstammung war. Die im 18. Jahrhundert aus Bensheim hierher (also nach Gernsheim) gezogene Familie Brentano Bernarda entstammt der gleichen Großfamilie, die bis ins 13. Jahrhundert zurück reicht. 



ältere Gedichte:






Gesteigertes Duster.


Ichster
DUSTER
Erster siester ester
Wirster
Ihrster
Siester.

Ichsterer
DUSTERER
Ersterer siesterer esterer
Wirsterer
Ihrsterer
Siesterer.

Am
Ichtersten
DUSTERSTEN
Erstersten siestersten estersten
Wirstersten
Ihrstersten
Siestersten.

Franz Vierle ist ein Pseudonym -
er ist so anonym, das wir hier versehentlich einen falschen Namen angaben.
Unser lyrischster Mitarbeiter hat diesen grammapoetischen Wetterbericht vermutlich
aus purer Verzweiflung entwickelt, da er, obwohl sprachlich dicht an Tuchklotzki und Ronald Gernblatt, bisher völlig unbekannt ist.


Nach den Wahlen.

Jetzt ist die wilde Zeit vorüber,
nun hat die liebe Seele Ruh –
des Bürgers Blick wird wieder trüber,
ihm fallen beide Augen zu.

Im Wahlkampf blusen die Trompeten
mit Pflichtgefühl und viel Getös –
Attacken selten, meist Retraiten –
er meint es nämlich nicht so bös.




Den Braven schüttelt ein Gehuste,
er kann nicht mehr, er ist so matt;
schon fehlt es an der nötigen Puste,
weil er sich überanstrengt hat.

Wir wollen ihn ins Bettchen stecken.
Er schläft und die Regierung wacht…
So laßt ihn ruhen. Nur nicht wecken! –
Wir wünschen ihm  ´ne

Gute Nacht!



Kurt Tucholsky, 1912




Badetag.

Wie munter ist das in Berlin!
Der Hauswirt, schwer gepeinigt,
läßt freitags warmes Wasser ziehn,
und jeder wird gereinigt.
Es baden sich zu gleicher Zeit
wohl hunderttausend Beine,
die Bürgerschaft, die Obrigkeit
und selbst Herrn Heine seine.
Fern Andra wäscht sich. Ebert auch.
Er spült sich heiter seinen Bauch
Und denkt: Es kann nichts schaden –
Du könntst mal wieder baden…
Und nun sitzt er in der Wanne und nun wäscht er sich
und bürstet nicht zu knapp.
Und planscht und manscht und seift sich ein
und schwemmt sich wieder ab!



Frau Durieux plätschert. Rauser braust
(viel Strahlen – wenig Wasser).
Kahl fürchtet, daß sein Bart zerzaust –
er ist ein Badehasser.
Die Orska wird im Bad rasiert.
Bei Veidtens flimt es einer.
Nur Mäxchen Pallenberg markiert –
es sieht ja schließlich keiner!
Auch Noske spricht zum Adjutant:
`Verpatzen Sie derweil das Land!´
Und denkt: Es kann nichts schaden –
du könntst mal wieder baden…
Und nun sitzt er in der Wanne und nun wäscht er sich
und bürstet nicht zu knapp.
Und plantscht und manscht und seift sich ein –
doch die Flecke gehn nicht ab!


Es baden Fuhr- und Bassermann,
frottiert wird zart Frau Porten.
Ein Fischer trieft als nasser Mann –
sie baden aller Orten.
Gar manche sehr bekannte Frau
montiert sich ab die Locken.
Auch Klöpfer nimmts nicht so genau –
er sitzt nicht gerne trocken.
Selbst Ludendorff steigt tapfer rein;
weil er das kann, seift er sich ein.
Und ganz Berlin denkt: Schaden
kanns nichts, wir wolln mal baden…
Und sie sitzen in der Wanne und sie waschen sich
und nehmen Bad an Bad.
Die Sintflut tät es schließlich auch!
Gott segne diese Stadt -!

Kurt Tucholskygeschrieben 1919 und, wie es sich für Tucho gehört, Unterhaltung gespickt mit politischen und gesellschaftlichen Anspielungen.





Sie saßen und tranken am Teetisch…

Sie saßen und tranken am Teetisch,
Und sprachen von Liebe viel.
Die Herren die waren ästhetisch,
Die Damen von zartem Gefühl.

Die Liebe muß sein platonisch,
Der dürre Hofrat sprach.
Die Hofrätin lächelt ironisch,
Und dennoch seufzet sie: Ach!

Der Domherr öffnet den Mund weit:
Die Liebe sei nicht zu roh,
Sie schadet sonst der Gesundheit.
Das Fräulein lispelt: Wie so?

Die Gräfin spricht wehmütig:
Die Liebe ist eine Passion!
Und präsentieret gütig
Die Tasse dem Herren Baron.

Am Tische war noch ein Plätzchen;
Mein Liebchen, da hast du gefehlt.
Du hättest so hübsch, mein Schätzchen,
Von deiner Liebe erzählt.

Heinrich Heine - Dieses leicht ironische Kleinod hat Heinrich Heine verfasst, ein zum Glück bis heute viel gelesener Autor. Geboren 1797 in Düsseldorf hat er bereits in sehr jungen Jahren Gedichte verfasst, die ersten Veröffentlichungen datieren im Jahr 1817. Bis zu seinem Tod im Jahr 1856 in Paris hat er zahlreiche Gedichte, Essays und Reisebeschreibungen verfasst. Selbst in seinen letzten Jahren, die er schwer krank in der "Matratzengruft" verbrachte, war sein Schaffensdrang ungebremst.






Hoheit wollen uns gestatten.

"Hoheit wollen uns gestatten, Ihnen die Bewunderung Auszudrücken für das außerordentliche Interesse, welches Hoheit an unserem Lande genommen haben."

Der Oberländer Verkehrsverein an die Prinzessin von Wales.


Hoheit wollen uns gestatten -
Vor Bewund´rung zu vergeh´n,
Wenn wir einen Potentaten
In den Schweizerbergen seh´n;
Unsre Gletscherluft zu atmen
Haben Hheit hier geruht;
Drum vom Gwatt bis hoch nach Gadmen
Ist uns königlich zu Mut.

Hoheit wollen uns gestatten,
Euch zu danken für den Tag,
Wo einmal auf Hängematte
Sie im Wald am Schatten lag;
Jede Tanne, jede Buche
Von dem Lob der Hoheit träuft:
Denket, Sie hat beim Besuche
Mich am Ast beinah´ gestreift!

Hoheit wollen uns gestatten
Und uns diese Gnad´ verleih´n,
Wenn Sie Schnee und Regen hatten,
Uns das Wetter zu verzeih´n!
Jungfrau, Eiger, Säntis, Tödi
Wissen oft nicht, was für Wind,
Nicht, was Hoheit, lady,
Sie für Rücksicht schuldig sind.

Hoheit wollen uns gestatten,
Unsere Ergebenheit
Auch den Schwäher und den Gatten
Zu versichern allezeit.
Nicht allein in Monarchien
Ehret man die Majestät;
Wir auch rutschen auf den Knien,
Wenn ein Prinz vorübergeht.

"Hoheit wollen uns gestatten" -
Vor den Stufen des Hotels
Stellen Knigge an den Schatten
Diese Söhne Wilhelm Tells.
Doch wenn Hoheit mir erlauben,
Schenke ich ihr klaren Wein:
Diese Sprach´, Ihr dürft mir´s glauben,
Spricht nur der Verkehrsverein!

Ulrich Dürenmatt - Der Autor Ulrich Dürrenmatt war der Großvater des bekannten Friedrich Dürrenmatt. Zu seiner Zeit (er lebte 1849 bis 1908) war er ein bekannter politischer Polemiker, und in seiner Funktion als Redakteur der "Berner Volkszeitung" hat er immer wieder die politische Lage kommentiert. Leider sind seine Schriften nur noch in Bibliotheken verfügbar.

 
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