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Unsere Krimi-Empfehlungen in 2011:





Typisch englisch.

Gilbert Keith Chesterton war Philosoph, Gesellschaftskritiker und Essayist, er diskutierte sehr oft und gern öffentlich, war bekennender Katholik. Heute ist er im deutschsprachigen Raum vor allem aber als Erfinder von Pater Brown bekannt: die Geschichten um den trotz seiner Rundlichkeit sehr flinken, hochintelligenten und gleichermaßen gesellschaftskritischen wie menschenfreundlichen Pater sind mehrfach verfilmt, unter anderem mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle, und sie sind große Fernsehunterhaltung. Doch die Geschichte in der wunderbaren Neuübersetzung von Isabelle Fuchs zu lesen, ist ein um ein Vielfach größeres Vergnügen: die sanfte Ironie, mit der Chesterton die englische Gesellschaft beschreibt, gepaart mit den oft recht skurrilen Vorgängen darf sich ein Liebhaber klassischer Kriminalgeschichten nicht entgehen lassen.

Gilbert Keith Chesterton: „Der Salat des Oberst Gray.", Gerstenberg Verlag, € 19,95


Der neue Komet am norwegischen Krimihimmel.

So kommentierte die Zeitung Bokklubben den Erstling von Thomas Enger, andere Zeitungen vergleichen mit Stieg Larssons oder Jo Nesbo. Wir finden „Sterblich" ganz einzigartig. Und wirklich gut.
Henning Juul ist Journalist bei der Internetzeitung 123nyheter. Zumindest war er das bis vor zwei Jahren, als bei einem Wohnungsbrand sein Sohn umgekommen ist und er selbst lebensgefährlich verletzt wurde. Ob sein Instinkt noch so untrüglich ist  wie damals und auch ob sein Informant noch aktiv ist – das gilt es in den ersten Arbeitstagen nach seiner Auszeit herauszufinden. Denn seine Chefin schickt ihn zu einem Tatort: eine junge Frau ist zu Tode gesteinigt worden. Die Polizei und die  anderen Journalisten denken schnell in Richtung eines Ehrenmordes; der Freund der Toten ist Muslim und versuchte sich durch Flucht einer Vernehmung zu entziehen. Für Juul bedeutet das nicht wirklich etwas. Als er, nach einem längeren Gespräch  mit Tariq, dem Bruder des Verdächtigen, Zeuge von dessen Ermordung wird, bekommt der Fall eine ganz andere Dimension: plötzlich spielt eine kriminelle Vereinigung eine große Rolle – und Juuls Leben ist in Gefahr.

Thomas Enger: „Sterblich.", Blanvalet Verlag, € 14,99


Alte Bekannte III

Nun ja, gemessen mit den beiden anderen Besprechungen (Jenny Treibel und Tom Sawyer) ist es ja eher ein junger Bekannter. Aber dafür ist Gregor Weber als Schauspieler im Saarländer „Tatort“ und seit „Krieg der Köche“ auch als Autor einigermaßen berühmt – außerdem ist er Stabsunteroffizier der Reserve bei der Bundeswehr. Und das alles sollten Sie im Kopf behalten, wenn Sie seinen ersten Kriminalroman lesen.
Der letzte Einsatz in Afghanistan hat „Bomber“ Lars Rem beide Beine gekostet - und sein bisheriges Leben: statt in der Familienidylle mit Kind lebt er jetzt als abhängiger Kleindealer in der schlechtesten Wohngegend. Darum geht die erste Vermutung von Hauptkommissar Grewe und Kommissarin Svoboda auch in Richtung Milieu. Doch dann gibt es neue Erkenntnisse, die zu einer Eliteeinheit der Bundeswehr führen. Ermittlungen dort sind unvermeidbar. Und bald geht es um sehr viel mehr als um Mord!

Gregor Weber: „Feindberührung.“ Knaus Verlag, € 17,99


Mörderische Nahrung.

Gasthausbesitzer Xavier Kieffer stellt sich gerade auf einen ruhigen Abend ein, den er sich mit der Bestellung der fehlenden Weine versüßen möchte, als ihn seine Küchenchefin sichtlich irritiert stört. Man habe einen Gast, der allen Anzeichen nach Gastrokritiker ist, obwohl das „Deux Eglises“ in der Luxemburger Unterstadt mit seiner herzhaften, bodenständigen Küche so gar nicht zu den mit Sternen und Kochmützen ausgezeichneten Restaurants passt. Und doch verspeist der Mann die Vorspeise mit sichtlichem Genuss – wenige Minuten später ist er tot. Die Polizei verdächtigt prompt Xavier Kieffer, und so bleibt ihm nichts übrig als selbst zu ermitteln…
Unbekannte Obstsorten, Luxemburger Leckereien und Sterneküche, ein internationaler Lebensmittelkonzern, rücksichtslose Wissenschaftler und gewaltbereite Hintermänner: Tom Hillenbrand hat ziemlich viel in seinen spannenden Kriminalroman gepackt; dabei erzählt er so locker und manchmal humorvoll, dass es ein Genuss ist.

Tom Hillenbrand: „Teufelsfrucht.“ Kiepenheuer und Witsch, € 8,99


Thriller oder Familiendrama?

Diese Frage lässt sich einfach beantworten: John Harts Buch ist ein packender Thriller UND ein spannendes Familiendrama. Den begehrten Edward Award für den besten Thriller des Jahres hat er dafür bereits zum zweiten Mal erhalten – nun liegt es im Taschenbuch vor.
Johnny ist dreizehn, verwahrlost und unterernährt, sieht um einiges jünger aus, fährt Auto, umsorgt seine Mutter. Doch die meiste Zeit ist er auf der Suche nach seiner Zwillingsschwester Alyssa die vor einem Jahr spurlos verschwand - sie war in der Dämmerung auf dem Weg nach Hause, nachdem der Vater versäumt hatte, sie abzuholen. Zwei Wochen später ist der Vater gegangen, da er die Vorwürfe nicht mehr aushielt; Johnnys Mutter verbringt seitdem ihre Tage im Drogenrausch. Auch Detective Hunt sucht nach Alyssa, er will die Akte nicht schließen. Eines Freitags wird Johnny Zeuge eines als Unfall getarnten Mordes. Und Johnny hört die letzten Worte des Opfers: „Ich hab sie gefunden“ und „Lauf weg“…

John Hart: „Das letzte Kind.“, btb Verlag, € 9,99

Am Ende wird alles gut?!?

Keine gute Zeit für Stephen Villani, den Chef der Melbourner Mordkommission: Erst muss er den Mord an einer jungen Frau in einem gerade neu eröffneten noblen Wohnhochhaus untersuchen, bei dem die Eigentümer dieses Hochhauses seine Arbeit wo es nur geht behindern, denn das Objekt wäre unverkäuflich, wenn die vielen Sicherheitsmängel bekannt würden. Wenig später wird er in ein Lagerhaus gerufen, in dem drei Menschen gefoltert und dann ermordet wurden, doch handelt es sich dabei wirklich um einen Racheakt im Drogenmilieu? Dass Villani um das Leben seines Vaters bangen muss, der trotz der massiven Waldbrände in seiner direkten Umgebung nicht bereit ist, sein Land zu verlassen, macht seinen Alltag auch nicht leichter. Und da wären noch seine verschwundene jüngere Tochter, politische Intrigen an oberster Stelle – und der zwingende Verdacht in der direkten Umgebung einen korrupten Kollegen zu haben…
Es sind gleich mehrere Handlungsstränge, die der Autor Peter Temple geschickt zu einem herausragenden Polizei-Kriminalroman verwebt, der zugleich auch Milieustudie und Gegenwartskritik ist.

Peter Temple: „Wahrheit.“, Bertelsmann Verlag, € 21,99


Kein Thriller - sondern entsetzliche Wahrheit.

In sehr prägnanter Sprache und erstaunlicherweise nicht bewertend berichtet der Autor Ryan David Jahn eine unglaubliche Geschichte: Kat Marino wird im Innenhof des Wohnblocks, in dem sie lebt, von einem großen Unbekannten mit dem Messer schwer verletzt. Sie versucht sich in ihr Apartment zu retten, nachdem er verschwunden ist, doch ehe sie sich in Sicherheit bringen kann, kommt er zurück. Die Angriffe erleben die Anwohner ringsum mit, sie könnten die junge Frau retten – aber sie tun nichts. Sie alle stehen gerade eigene Tragödien durch und nehmen an, dass schon einer der Nachbarn sich kümmern wird. Alle lässt Ryan David Jahn zu Wort kommen, und dass wir Leser nachvollziehen können, wie sie sich fühlen und wir ein plastisches Bild ihres Alltags haben, ist nur ein Aspekt seines Buches. Der andere ist, dass Jahn erreicht, unseren Blick für und die Bereitschaft zur Zivilcourage zu schärfen. Denn der Roman beruht auf dem Mordfall Kitty Genovese aus dem Jahr 1964, der weltweit Aufsehen erregte.

Ryan David Jahn: „Ein Akt der Gewalt.“ Heyne Hardcore, € 19,99


Es hätte ein Idyll sein können.

Man sagt, nur derjenige kann wirklich gut helfen, der weiß wie es ist, in einer Krise Unterstützung zu erhalten. Doch Siri Bergmann, die in einer kleinen Gemeinschaftspraxis als Psychotherapeutin arbeitet, ist sich da alles andere als sicher. Seit ihr Mann vor einiger Zeit ums Leben gekommen ist, lebt sie in ständig wachsende Angst, völlig isoliert in dem kleinen Haus, das mit Stefans vielen Sachen einem Museum gleicht. Auch hier fühlt sie sich keineswegs sicher, ständig beobachtet, irgendwann auch bedroht – und eines Tages findet sie dann noch die Leiche einer Patientin im Meer…
Dem Psychokrimi des Autorenduos Camilla Grebe und Asa Träff merkt man an, dass eine der beiden Schwestern als Psychotherapeutin arbeitet, sie gewährt einen erstaunlich intensiven Einblick in diesen Beruf. Außerdem besticht das Buch durch eine spannende und ungewöhnliche Story und eine sehr vielfältige Sprache – diese ist ein sehr gekonnt eingesetztes Stilmittel, das den Roman aus der Fülle der Neuerscheinungen hervorhebt.

Camilla Grebe und Asa Träff: „Die Therapeutin.“, Verlag btb, € 9,99


Bücher verkaufen in Belfast.

„Kein Alibi“ ist eine Krimibuchhandlung in Belfast, sie liegt direkt neben der Detektei von Malcolm Carlyle. Seit Carlyle nirgends zu finden und nicht mehr erreichbar ist, verirren sich seine Kunden immer mal wieder ins „Kein Alibi“, in der Hoffnung, ihre Fälle könnten auch dort gelöst werden. Die Buchhandlung steht eigentlich ständig nahe am Bankrott und so lässt sich der hypochondrische Buchhändler irgendwann dazu überreden, kleinere, gut bezahlte Aufträge an zu nehmen. So übernimmt er auch Daniel Trevors Fall: dessen Ehefrau ist seit neun Monaten verschwunden, die Polizei ermittelt nicht mehr. Eine heimliche Affäre, zu entdecken mit einer kleinen Recherche am Computer vermutet er. Doch wieso stirbt ein deutscher Verleger und was haben die Verbindungen zum Dritten Reich zu bedeuten?!?

Colin Batemans Kriminalroman ist köstlich: sein ausgesprochen skurriler Ermittler (nein: Buchhändler sind nicht so!), dessen Namen man im ganzen Roman nicht erfährt und der einem gleichermaßen ans Herz wächst und auf die Nerven geht, und die interessante, verwickelte Story mit nicht vorhersehbarem Ausgang sorgen dafür, dass man das Buch nicht so schnell aus der Hand legt.

Colin Bateman: „Ein Mordgeschäft.“, Heyne Verlag, € 8,99


Shan ermittelt.

Mit einem Blick in Mithäftling Trinles Gesicht erkennt der herbei eilende Shan, dass er sich geirrt hat: sein Freund hat nicht das jenseitige Aussehen des Selbstmörders, sondern schaut sehr genau auf etwas, dass sich unterhalb der steilen Felskante im Verborgenen befindet. Aufseher und Lagerleitung beschließen sehr schnell, dass Shan, der vor seiner Strafversetzung nach Tibet als Polizist in Peking arbeitete, den Mörder der gerade gefunden Leiche ermitteln soll…
Als Kriminalroman allein wäre der Fall schon lesenswert. Doch durch die wechselnden Perspektiven, die der Autor Eliot Pattison wählt und die persönliche Entwicklung seines Ermittlers ist es zugleich ein bemerkenswertes Plädoyer für Menschlichkeit und Zivilcourage.

Eliot Pattison: „Der fremde Tibeter.“, Aufbau Verlag, € 10,00



Unsere Krimi-Empfehlungen in 2010:

Russland im Januar 1917.

Am Neujahrsmorgen 1917 werden auf der gefrorenen Newa, direkt hinter dem Winterpalast des Zaren zwei Leichen gefunden, ein Mann und eine Frau, beide elegant gekleidet. Chefinspektor Ruszky, gerade aus der Verbannung in Sibirien zurück, hat schon bald nicht nur mit schwierigen Ermittlungen sondern auch mit der Ochrana, der Geheimpolizei des Zaren, zu kämpfen.
Erster Weltkrieg, schwindende Macht der Romanows, Rasputin, Februarrevolution – diese Schlagwörter sind untrennbar miteinander verbunden, sie bedeuteten für Russland gravierende Veränderungen, die mit großem menschlichem Leid einher gingen. Tom Bradbys spannender Kriminalroman spielt in dieser Zeit und beleuchtet die historischen Hintergründe wirklich meisterhaft.

Tom Bradby: „Die Toten von St. Petersburg.“, Heyne Verlag, € 9,99


Ein Fall für Vish Puri.

Vish Puri ist ein sorgsam gekleideter, sehr auf seinen Status (und auf schön scharfe Chilischoten) bedachter Detektiv, der eine Kanzlei in Neu Delhi betreibt und für seine Diskretion bekannt ist, oft betreut er mehrere Fälle gleichzeitig. Diesmal steht er jedoch selbst im Zentrum einer Ermittlung – auf ihn ist ein Mordanschlag verübt worden und es gilt, den Täter zu finden, bevor er es ein zweites Mal versucht. Außerdem macht ihm der Fall von Rechtsanwalt Ajay Kasliwal durchaus Arbeit: dieser wird beschuldigt, ein Dienstmädchen geschwängert und dann umgebracht zu haben. Also begibt sich Puri in dessen Heimatstadt Dschaipur und stellt seine Nachforschungen an…
Sie mögen Agatha Christies Meisterdetektiv Hercule Poirot? Finden seine Ermittlungsmethoden wunderbar und haben nichts gegen seine manchmal lästigen Angewohnheiten? Dann werden Sie den Roman von Tarquin Hall lieben, denn neben einer klassischen Krimihandlung mit einem exzentrischen Ermittler beschreibt Hall das indische Leben so packend und bildhaft, dass jede Seite ein Genuss ist.

Tarquin Hall: „Die verschwundene Dienerin.“, Heyne Verlag, € 8,95


Alter Aberglaube…

Fred Vargas Krimis sind einzigartig: keine andere Autorin und kein anderer Autor versteht es in vergleichbarer Weise die handelnden Personen darzustellen, leicht skurril und doch unglaublich menschlich, und auch die Geschichten, die sich meist aus mehreren Handlungssträngen zusammensetzt, ist höchst ungewöhnlich.
Im nun als Taschenbuch vorliegenden „Der verbotene Ort“ verschlägt es Kommissar Adamsberg nicht nur an den berühmt-berüchtigten Friedhof Highgate in London sondern, wesentlich später, auch nach Serbien: während der Freistunden des Kolloquiums, bei dem sich Polizisten aus ganz Europa miteinander austauschen sollen, werden Adamsberg, sein Pendant Danglard und der englische Kommissar Radstock zum Westtor von Highgate geschickt, dort stünden siebzehn Schuhe – mit Füßen darin. Der Schreck darüber lässt die Pariser Polizisten auch Tage später, bereits auf dem Weg nach Hause, nicht los. Schon am nächsten Tag werden sie zu einem höchst dramatischen Tatort gerufen und der einzige konkretere Hinweis scheint mit den Vorgängen in London zusammen zu hängen…

Fred Vargas: „Der verbotene Ort.“, Aufbau Verlag, € 9,95


Fast zwanzig Jahre zurück..

…geht Christa Wolfs Blick in ihrem neuen Buch. Sie berichtet in ihrer schönen Sprache von einem neunmonatigen Schreibstipendium, das sie Ende 1991 nach Los Angeles führte – der Zufall wollte es, dass genau in diesem Zeitraum bekannt wurde, dass es eine Stasi-Täter-Akte von ihr gibt. Die bis dahin angesehene Bürgerrechtlerin Christa Wolf wurde binnen weniger Tage von der Öffentlichkeit ausschließlich als Stasi-Spitzel wahrgenommen, nicht bekannt wurde hingegen, dass diese Akte nur einen einzigen handgeschriebenen Bericht umfasst und aus den frühen fünfziger Jahren stammt. Schlimmer noch als die plötzlich feindliche Stimmung ihr gegenüber setzte ihr zu, dass sie die Existenz diese Akte vollkommen hat vergessen können. Trotzdem ist das Buch keine Innenschau und erst Recht keine Abrechnung: zum einen hält sie meist einen (berufsbedingten?) Abstand zu sich selbst. Zum anderen webt sie die deutsche Geschichte des vergangenen Jahrhunderts in ihre eigene Geschichte mit hinein. Dabei sind stets die Menschen im Mittelpunkt und das ist ausgesprochen lesenswert.

Christa Wolf: „Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud.” Suhrkamp Verlag, € 24,80


Budapest in den dreißiger Jahren.

Am gleichen Abend, an dem der Redakteur Szigmond Gordon Nacktfotos im Schreibtisch des Kriminalinspekteurs Gellért entdeckt, wird er zu einer Leiche gerufen; mit einem Blick erkennt Gordon, dass es sich um dasselbe Mädchen handelt. Dieser Zufall macht ihn neugierig - doch Gellért ist Leiter der Mordkommission und gibt Gordon unmissverständlich zu verstehen, dass die Ermordung einer Prostituierten keineswegs von Interesse sein sollte. Gordon, davon eher angestachelt als gebremst, stellt eigene Ermittlungen an. Erst als er niedergeschlagen wird und er den Schläger mit Hilfe von Nachforschungen im Boxer-Milieu einzuordnen weiß, erkennt er die gefährlichen Verbindungen des Verbrechens, die bis in die gehobenen Kreise Ungarns reichen…
Man nehme einen neugierigen Kriminal-Redakteur, einen verzwickten Mordfall und eine mitteleuropäische Großstadt in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre. Heraus kommt, zumindest bei Autor Vilmos Kondor, ein hochinteressanter, atmosphärisch dichter Kriminalroman. Auch wenn die  Erfahrung lehrt, dass man Klappentexten nur bedingt vertrauen darf - hier stimmt der angeführte Vergleich mit Philip Marlowe.

Vimos Kondor: "Der leise Tod.", Verlag Droemer Knaur, € 8,95


Ein neuer Fall in Saint-Denis.

Bruno, Chef de police, ist uns Lesern bereits im ersten Band sehr ans Herz gewachsen: in der kleinen Gemeinde Saint-Denis im Périgord im Herzen Frankreichs waltet er, mit viel Feingefühl und Sinn für die Belange seiner Mitbürger, seines Amtes. Dieses Fingerspitzengefühl wird auch in Band zwei dringend gebraucht: In den frühen Morgenstunden wird Bruno zu einem Feldbrand gerufen, bei dem auch ein Gebäude in Flammen steht. Es stellt sich heraus, dass es sich um Brandstiftung handelte und auf dem Feld genmanipulierte Pflanzensorten angebaut wurden. Ins Visier der Ermittlungen geraten darum besonders die örtlichen Grünen und eine Kommune aus den 68er – und mit allen Verdächtigen ist Bruno bekannt, mit manchen sogar befreundet. Kurz darauf wird er gebeten, dem Bürgermeister bei inoffiziellen Verhandlungen mit einem amerikanischen Wein-Magnaten beizustehen, der sich gerade Saint-Denis ausgesucht hat, um hier sein eigenes großes Weinbauzentrum zu bauen. Haben beide Ereignisse vielleicht miteinander zu tun?

Martin Walker: „Grand Cru – Der zweite Fall für Bruno, Chef de police“, Diogenes Verlag,  € 21,90


Notwehr…

Zumindest glaubte Adam Bloom, dass er aus Notwehr handelte. Denn der Einbrecher, der die Treppe herauf und auf ihn zukam, griff in seine Tasche.  Dass er nur eine Taschenlampe herausholte wusste Adam erst, nachdem er ein ganzes Magazin auf ihn abgefeuert hatte und sich danach näher heran traute. Vom Ermittler der Polizei schlägt Adam dann auch kein Wohlwollen entgegen und die Presse tituliert ihn als den schießwütigen Seelenklempner. Auch seine Frau Dana und die erwachsene Tochter Marissa stehen ihm feindselig gegenüber, die Familie droht zu zerbrechen. Wirkliche Gefahr droht jedoch von außen: Der getöte Einbrecher war nicht allein im Haus - und sein Komplize Johnny hat Rache geschworen. Skrupellos macht er sich an Marissa heran…
Ein Thriller der ganz besonderen Art ist Jason Starr mit „Panik“ gelungen: psychologisch nachvollziehbar und spannend von der ersten bis zur letzen Seite.

Jason Starr: „Panik.“, Diogenes Verlag, € 11,90


Ein erster Vorgeschmack.

Alexander Gerlach hat sich ins idyllische Heidelberg versetzen lassen, weil er dachte, dort hätte er als Kripochef weniger zu tun und darum mehr Zeit für seine pubertierenden Zwillingstöchter. Außerdem sehnte er sich nach dem Tod seiner Frau Vera nach einem Neuanfang. Doch es kommt alles anders: er ist noch keine drei Stunden im Amt, als ein Toter gemeldet wird, die folgenden Ermittlungen gestalten sich so schwierig wie zeitraubend. Wenige Tage später stirbt die Schwester des Mordopfers – Unfall oder noch ein Mord?
Wolfgang Burger bedient mit seinem Kripobeamten Gerlach keine Klischees, das Privatleben, das er ihm „verpasst“, ist realistisch geschildert. Zusammen mit der spannenden Story ergibt das einen sehr lesenswerten Kriminalroman. Unbedingt vormerken sollten Sie sich darum den 19. Mai 2010: Wolfgang Burger liest im Rahmen der 1. Gernsheimer Lesetage aus seinem neuesten Heidelbergkrimi „Echo einer Nacht“.

Wolfgang Burger: „Heidelberger Requiem.“, Piper Verlag, € 8,95


Großartig!

Milo Weaver ist begeisterter Vater und liebevoller Ehemann – doch seine Arbeit nimmt ihn gerade sehr stark in Beschlag. Denn Milo ist beim CIA, zwar nicht mehr als Geheimagent sondern in der Verwaltung, doch seine Passion ist auch dort die Suche nach dem „Tiger“, einem Profikiller. Auf Grund der Nachricht, dass der „Tiger“ wegen eines Vergehens in einem kleinen Bezirksgefängnis in Tennessee einsitzt, lässt er alle wichtigen privaten Termine sausen und reist dorthin. Kurz vor Ende des Verhörs begeht der „Tiger“ Selbstmord und lässt Milo mit vielen Fragen zurück. Auf der Suche nach Antworten gerät Milo immer mehr zwischen alle Fronten…
Olen Steinhauer ist ein faszinierender Agententhriller gelungen - politisch hochinteressant, mit gut gezeichneten Charakteren und überraschenden Wendungen. Den Vergleich mit den Großen dieser Gattung braucht er nicht zu scheuen!

Olen Steinhauer: „Der Tourist.“ Heyne Verlag, € 19,95


Laos im Jahr 1976.

Mit 72 Jahren ist Dr. Siri Paiboun reif für den Ruhestand – und nach den vielen Jahren, die er für die kommunistischen Revolutionäre hart gearbeitet hat, hätte er sich jede freie Minute redlich verdient. Doch es kommt anders: er wird, ohne jegliche Weiterbildung, dafür aber mit zwei 30 Jahre alten französischen Lehrbüchern, zum amtlichen Leichenbeschauer bestimmt. Äußerst widerwillig macht er sich an die Arbeit, doch seine vierte Leiche, es ist die bei einem Festbankett verstorbene Frau eines Parteibonzen, gibt ihm solche Rätsel auf, dass seine Neugier erwacht.
Mit Dr. Siri hat der Autor Colin Cotterill einen verschroben-freundlichen, jedoch keineswegs schusseligen Ermittler erfunden – und mit der Geschichte, die im gerade kommunistisch gewordenen Laos spielt, gelingt es ihm, dieses Land mit vielen Facetten lebendig werden zu lassen.

Colin Cotterill: „Dr. Siri und seine Toten.“ Goldmann Verlag, € 8,95




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