Fantasy - Buchhandlung und Verlag Bornhofen - Gernsheim

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unsere Fantasy-Empfehlungen der letzten Jahre:


2011


Von Roten, Gelben, Purpurnen und Grauen.

„Die Randzonen sind ein Sammelbecken für Haltlose, Einfältige und Farbtonschwache“ bemerkte Floyd Pinken, der ehrlich gesagt von allen dreien etwas hatte.
Eddie Russett soll sich, als Bestrafung für einen Verbesserungsvorschlag, der unweigerlich eine Störung der Stagnation mit sich gebracht hätte, in Demut üben; darum wird er zusammen mit seinem Vater zur Stuhlzählung in die Randzonen geschickt. Dort begegnet er einer besonders giftigen gelben Präfektin, der herrschsüchtigen Violetta von der Malve und einer erstaunlich interessanten Grauen mit Namen Jane – und entdeckt die Macht der Neugier und der Liebe…
Jasper FForde legt mit dem ersten Band der Eddie-Russett-Trilogie die Latte sehr hoch: seine Zukunftswelt, in der Farben und die Fähigkeit diese sehen zu können über die Stellung und das Leben der Menschen bestimmen, ist skurril und wohldurchdacht – so hätte George Orwell den Roman wohl verfasst, wenn er hätte schreiben wollen wie Terry Pratchett.

Jasper FForde: „Grau.“, Eichborn Verlag, € 19,95


Ein Buch, das spaltet.

Und zwar die Leserschaft: die Einen finden Brenna Yovanoffs Debütroman ein bisschen langweilig mit eher farblosen Charakteren. Und die Anderen sind ausgesprochen angetan von ihrem Ideenreichtum und der atmosphärischen Dichte, die Yovanoff in einen spannend-düsteren Gruselroman umzusetzen wusste. Ich gehöre zu den Letzteren.
Mackie Doyles Familie ist sehr darauf bedacht, völlig normal zu wirken, genau wie alle anderen Bewohner von Gentry, einer Kleinstadt in der amerikanischen Provinz. Dabei ist in Gentry nichts normal: alle sieben Jahre verlangt die Herrscherin im Untergrund, über die niemals geredet wird, ein Baby als Pfand und ihre Schergen bringen ihr eines. Als die kleine Schwester von Tate, einer Klassenkameradin, verschwindet, begibt sich Mackie auf die Suche nach ihr, auch um das Geheimnis, das in selbst umgibt zu lösen. Mit seiner Rettungsaktion bringt er sich selbst nicht nur in große Gefahr – sondern er findet auch die Liebe.

Brenna Yovanoff: „Schweigt still die Nacht.“, Script 5, € 17,95

Der Abschluss einer Trilogie.

Sia ist die letzte der todbringenden Judaskinder und zu allem bereit um Emma und Elena, ihre einzigen Nachfahren, vor dem Vampirfluch zu beschützen. Doch die beiden werden entführt – und um sie zu retten muss sich Sia nach Irland begeben, mitten in einen gnadenlosen Kampf zwischen Gestaltwandlern und dem uralten Stamm der Sidhe.
Wenn man fantastische Romane mag, kommt man an dem Autor Markus Heitz nicht vorbei. Seine von Tolkien inspirierte Serie um die „Zwerge“ ist spannend und vielseitig, seit „Ritus“ erobert er auch die Urban-Fantasy-Leser im Sturm. Die Judas-Trilogie reiht sich hier ein, Heitz schafft sogar reizvoll-spannende Querverbindungen, indem er Helden aus Ritus/Sanctum auch hier erscheinen lässt. Seine Vampir-Reihe ist jenseits der derzeit so beliebten Blutsauger-Romanzen: sie ist dunkle Spannung vom Feinsten!

Markus Heitz: „Judastöchter. Ein Vampirthriller.“, Knaur Verlag, € 14,99





2010



Dämonen sind nur lebendig gewordene Entropie.

Nate ist ein Dämonenhüter: in seinem Fachwerkhaus leben viele verschiedene Dämonen die er hegt und pflegt. Am gefährlichsten ist das „Tier“, es lebt im Keller und wird täglich durch ein Gitter mit Fischabfall gefüttert, eine Aufgabe bei der man hellwach und reaktionsschnell sein muss… Gemeinsam mit seiner Freundin Sandy, die zwar keine Dämonen erkennen kann aber blitzgescheit ist, und seinem Lehrling Richie ist er der Aufgabe einigermaßen gewachsen. Bisher zumindest. Doch als ein riesiger Troll erwacht und der geheimnisvoll gefährliche Reporter Calamitous auftaucht sind sie bald überfordert – zum Glück lernen sie Lilli kennen, ebenfalls Dämonenhüterin.
Seltsame Titel hat der Verlag dieser Reihe gegeben, der erste Band heißt „Dämliche Dämonen“, der nun vorliegende zweite Band „Mürrische Monster“. Tatsächlich sind diese Romane zwar ein wenig skurril, aber vor allem sind sie kurzweilige, turbulente und teilweise schonungslose Fantasyabenteuer für Jugendliche und Erwachsene.

Royce Buckingham: „Mürrische Monster“, Blanvalet Verlag, € 8,99


Zeit der Verwandlung.

Nach den Vampir-Büchern kommen jetzt dunkle Engel oder Werwölfe, so liest man in den Zeitungen. Ehrlich gesagt finden wir das recht unerheblich – wenn ein Buch eine ungewöhnliche Geschichte erzählt, gut geschrieben ist und die Fantasie anregt, ist es in der Regel (fast) egal, welchem Thema es sich zuwendet, oder?
Und darum eben doch ein Werwolf-Buch: Bei Grace´ erster Begegnung mit „ihrem“ Wolf ist sie ein kleines Mädchen, das im Garten schaukelt, es ist bitterkalt – und das Wolfsrudel, völlig ausgehungert, zerrt sie von der Schaukel; er rettet sie, indem er sich gegen sein Rudel stellt. Von da an beobachtet Grace die Wölfe jeden Winter im Wald hinter dem Haus. Doch es vergehen sechseinhalb Jahre bis sie Sam, der im Winter ihr Wolf und im Sommer Mensch ist, an einem besonders heißen Tag kennen und lieben lernt. Als es immer kälter wird beginnt ein Wettlauf mit der Zeit…

Maggie Stiefvater: „Nach dem Sommer.“, Verlag Script 5, € 18,90


Projekt Noah.

In ihrer Verzweiflung lässt die junge Jeannette ihre sechsjährige Tochter Amy in einem Ordenshaus zurück, Amy soll dort ein besseres Leben finden als an der Seite ihrer heruntergekommenen Mutter ohne festen Wohnsitz. Schwester Lacey, die Amy begrüßt, erkennt hellsichtig, dass sie sie beschützen muss – sonst ist der Untergang nah. Im bolivianischen Dschungel wird eine Gruppe von Forschern von Abertausend Fledermäusen angegriffen, die sie mit einem unbekannten, sehr gefährlichen Virus anstecken. Und Agent Wolgast hat eine eigentümliche Aufgabe: er soll zehn bis zwanzig verurteilten Verbrechern das Angebot unterbreiten, ihre Todesstrafe gegen lebenslängliche Haft einzutauschen – dafür müssten sie nur an einem Projekt des FBI teilnehmen. Drei völlig unterschiedliche Ereignisse, die der Autor Justin Cronin in seinem beeindruckenden Buch geschickt miteinander verknüpft; bei dem Horrorszenario das dabei entsteht, stellen sich dem Leser die Nackenhaare. Spannung pur!


Justin Cronin: „Der Übergang.“ Goldmann Verlag, € 22,95





2009



Nordamerika in der Zukunft.

Nach Kriegen und Naturkatastrophen ist der totalitäre Staat Panem entstanden, bestehend aus zwölf Bezirken. Um ihre Macht zu demonstrieren, lassen die Herrscher von Panem jedes Jahr 24 Jungen und Mädchen, per Los ausgewählt, gegeneinander antreten – in einem Kampf auf Leben und Tod, den sich alle Menschen ansehen müssen. Katniss meldet sich als Kämpferin: das Los hatte ihre Schwester Prim getroffen und deren Antreten muss sie unbedingt verhindern, denn die zarte Prim hätte keinerlei Chancen. Wenig später hängt Katniss Leben am seidenen Faden – doch ganz unerwartet kommt ihr Peeta zu Hilfe, der Junge aus ihrem Bezirk, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt….
Suzanne Collins entwickelt in ihrer Trilogie (Band zwei und drei sind noch nicht erschienen) eine Szenario, dass die Zukunft mit Vergangenem mischt – absolut glaubhaft, unglaublich spannend und sehr mitreißend erzählt. Allerdings auch so hart und realistisch, dass wir es erst für reife Jugendliche und Erwachsenen empfehlen.

Suzanne Collins: „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele.“, Oetinger Verlag, € 17,90


Eine andere Erde.

Juli 2016: Fünf Jahre waren sie in Geiselhaft gewesen und nun sieht die Welt völlig anders aus - nicht enden wollende Regenfälle, steigende Wasserpegel, plötzliche Sturmfluten haben die Kontinente verändert. Damals waren Lily, Gary, Helen und Piers einer Gruppe Fundamentalisten in zum Opfer gefallen, doch die politische Lage hier in Spanien war nach den Jahren des Bürgerkrieges so verworren, dass die vier selbst nicht mehr wissen, in wessen Händen sie sich befunden hatten. Am Tag ihrer Befreiung geloben sie, sich in Zukunft gegenseitig zu schützen und zu unterstützen.
Anhand der so miteinander verbundenen und dennoch völlig unterschiedlichen Schicksale der vier Geiseln beschreibt Stephen Baxter ausgesprochen packend den Untergang der Welt, wie wir sie kennen, ohne dabei das gängige Szenario des Klimawandels zu bemühen.

Stephen Baxter: „Die letzte Flut.“, Heyne Verlag, € 19,95


Mystik und Wissenschaft…

Die Himmelsscheibe von Nebra, eine ca. 3600 Jahre alte Bronzeplatte mit Goldapplikationen, die erst 1999 in der Nähe des Brocken gefunden wurde, gibt den Forschern weltweit nach wie vor Rätsel auf. Der Archäologe, Historiker und Autor Thomas Thiemeyer hat sich für sein neuestes, ungemein spannendes Buch diesen Umstand zu Nutze gemacht:
Die Wissenschaftlerin Hannah Peter hat den Auftrag, das Rätsel der Himmelsscheibe zu ergründen. Ihr sitzt die Zeit im Nacken, darum ist sie gezwungen, sich Hilfe bei ihrem Ex-Freund John zu holen, einem Forscher mit sehr vielseitigem Wissen, der auch tatsächlich bald die Form der Goldapplikationen zu deuten weiß. Eine genauere Untersuchung kann nur bei Nebra durchgeführt werden und so macht sich Hannah auf den Weg in den Harz. Zeitgleich verschwinden am Brocken mehrere Menschen – entführt von menschenähnlichen Wesen von enormer Kraft und Größe. Die grauenvollen Vorfälle häufen sich und dabei scheint die Himmelsscheibe durchaus eine Rolle zu spielen…

Thomas Thiemeyer: „Nebra.“, Knaur Verlag, € 19,90


Ein Schutzreservat für vom Aussterben bedrohte magische Kreaturen.

Stellen Sie sich vor, Elfen gibt es wirklich und sie sind gleichermaßen schön und eitel, hilfsbereit und selbstsüchtig. Sie leben in einem Schutzreservat, genannt Fabelheim, das wiederum von wenigen Menschen erhalten und ge-pflegt wird, und in dem sich jede Kleinigkeit zu einer Katastrophe ausweiten kann. Unfreiwillig müssen diese Menschen während drei Wochen im Juni zwei Kinder beherbergen – und diese setzen eine unheilvolle Kettenreaktion in Gang…
Interessante Idee, aber irgendwie nahe liegende Charaktere und Entwicklung: bei obiger Beschreibung werden hart gesottene Fantasy-Leser nicht unbedingt hellhörig. Das sollten sie aber besser, denn dieser Jugendroman bietet auch dem erwachsenen Leser tadellose Unterhaltung und viele ungewöhnliche Verstrickungen.

Brandon Mull: „Fabelheim.“ Penhaligon Verlag, € 16,95





2008



Abgedreht

Die griechischen Götter hat es ins London der Jetztzeit verschlagen und hier fristen sie, da ihre Kräfte schwinden, ein wenig rühmliches Dasein: Aphrodite verdient ihr Geld mit Telefonsex, Artemis führt fremder Leute Hunde aus und Eros ist zum Christentum konvertiert, um nur drei von ihnen zu nennen. Dabei gehen sie sich, da sie nun schon Tausende von Jahren miteinander zu tun haben, gegenseitig wirklich tüchtig auf den Wecker. Bei einer viertklassigen Fernsehshow - Apoll tritt als Hellseher im Astro-TV auf - rächt sich Aphrodite mal wieder an ihm und zwingt Eros, mit Hilfe eines seiner Liebespfeile in Apoll die Liebe zu einer Sterblichen zu entfachen – und so nimmt eine wirklich fantastische Geschichte ihren Lauf.
Bestimmt ist dieser Roman kein Lesefutter für jedermann (die Szenen mit Aphrodite sind doch sehr deftig), doch uns ist kein amüsanteres, fantasievolleres und doch bodenständigeres Buch über die Götter des Olymp bekannt…

Marie Phillips: „Götter ohne Manieren.“, Verlag C. Bertelsmann, € 17,90


Ein Scheibenwelt-Roman

Terry Pratchett hat einen seltsam skurillen Humor, den er wunderbar mit ironischer Kritik zu kombinieren weiß: dass ist allen Fans der Scheibenwelt-Romane bekannt. Denen, die seine Romane noch nicht kennen und die leicht bizarren Fantasy-Büchern nicht abgeneigt gegenüber stehen, sei ans Herz gelegt, (endlich!) einen zu lesen. Zum Beispiel „Klonk“, der gerade als Taschenbuch erschienen ist.
Der Roman führt uns mitten ins pulsierende Herz der Scheibenwelt, in die chaotische Hauptstadt Ankh-Morpork: Nicht genug, dass Sam Mumm, Kommandeur der Stadtwache von Ankh-Morpork, sich genötigt sieht einen Vampir in seine Reihen aufzunehmen (er hasst Vampire). Nein, außerdem wurde mitten in der Stadt ein Zwerg erschlagen – die Tatwaffe ist eine Trollkeule. So bahnt sich der alten Hass zwischen Zwergen und Trollen einen Weg und Sam muss wieder einmal alles daran setzten, Ankh-Morpork und seine Welt zu retten…

Terry Pratchett: „Klonk“, Goldmann Verlag, € 8,95


Das Zeitalter der Fünf.

Auraya, ehemals Hohepriesterin und Liebling der Götter, erhält den Auftrag, ohne Verhandlung und Beweiß irgendeiner Schuld ein Todesurteil der Götter zu vollstrecken. Sie widersetzt sich - und nun muss auch sie die Macht der Götter fürchten. Dabei hätte sie gerade jetzt deren Hilfe bitter nötig, denn wieder scheint ein Krieg zwischen zwei Völkern unvermeidlich und als Beschützerin des Volkes der Siyee könnte sie jede Unterstützung brauchen…
Seit ihrer Trilogie „Gilde der schwarzen Magier“ hat die Autorin Trudi Canavan eine stetig wachsende Fangemeinde rund um den ganzen Erdball. Mit ihrer zweiten kleinen Reihe „Das Zeitalter der Fünf“ hat sie eine ganz andere Welt erschaffen, doch wieder sind es vor allem starke weibliche Charaktere, über die berichtet wird. „Götter“ ist der dritte und vorläufig letzte Teil – und wieder sind die Wendungen nicht vorhersehbar und die handelnden Personen glaubwürdig: bestes Lesefutter für Fantasy-Fans.

Trudi Canavan: „Das Zeitalter der Fünf: Götter.“, Verlag Blanvalet, € 9,95



wird fortgesetzt (bis 03/2004)


 
 
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