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Aus den Medien -
NACHRUF AUF DIE HANDSCHRIFT
Wolf Schneider
Mit der Handschrift geht's bergab -
Handschrift: Welch umstürzende Erfindung war das einst! Die ersten Schriftzeichen mussten ja in Ton gedrückt, in Holz geschnitzt, in Stein gemeißelt werden -
Bei uns regierte jahrhundertelang die deutsche Schreibschrift mit ihren schmalen, steilen Buchstaben. Dann, ab 1915, übernahmen die Schulen eine rundliche, bauchige Variante darauf, entwickelt von dem Berliner Grafiker Ludwig Sütterlin. Sie wurde in die bis dahin zusätzlich erlernte sogenannte lateinische Schrift übernommen, die Hitler 1941 zur deutschen Normalschrift ernannte. (Beiden Schriften ist der Klang des Namens »Sütterlin« bis heute nicht bekömmlich.)
Nun wird an den Schulen Hamburgs und Baden-
Das eine: der rapide Verfall der Rechtschreibung. Mit Kindern, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, hat die Schule ohnehin ihre Not; mit den anderen auch, weil ja heute nichts mehr erzwungen werden darf. Nur behutsam angeleitet wurde jener Achtjährige, der, wie aus Bremen überliefert, schreibt,
»walls mir schbas macht«.
Das Falschschreiben wird uns treu bleiben -
Was iPhone-
Und ob es nicht hin und wieder doch einen Senior gibt, der ganz gerne lesen würde, was er oder jemand an ihn vor vierzig Jahren geschrieben hat? Papier bleibt zuverlässig an die zweihundert Jahre lang. Ausdrucken also! Und die Handschrift behält ein paar Meriten: Sie bietet ein Bild an, sie erzählt von ihrer Zeit, ein bisschen auch von dem Menschen, der da einst den Kugelschreiber führte.

Aus PREGO: 02/2011
Dem Magazin von EDEL
WOLF SCHNEIDER
ist Honorarprofessor der Linguistik an der Universität Salzburg, Träger des Medienpreises für Sprachkultur der Gesellschaft für deutsche Sprache, Ausbilder an vier Journalistenschulen und Lehrer für lesbares Deutsch in Wirtschaft, Medien und Behörden. Er ist zudem Autor zahlreicher Sachbücher, u.a. >>Deutsch für junge Profis: Wie man gut und lebendig schreibt« (2010).